Ein menschliches Evangelium: Verlockend, aber ohne freisetzende Kraft?

Denn ich tue euch kund, Brüder und Schwestern, dass das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht von menschlicher Art ist.
Galater1,11 zur Bibellese von  Galater 1,11-24

Der Apostel Paulus wurde im Laufe seines Lebens immer wieder angefeindet und verleumdet. Seine Lehre wurde in Zweifel gezogen. Gerade die Galater waren schon bald nach der Gemeindegründung durch Paulus anderen Einflüssen ausgesetzt. Sie standen in der Gefahr, ein anderes Evangelium anzunehmen. Paulus teilt ihnen jetzt also mit, wie er das Evangelium empfangen hatte. Er war nicht auf einem Seminar oder einer Gemeindefreizeit gewesen. Er hatte das Evangeli­um übernatürlich empfangen, als ihm der auferstande­ne Jesus auf dem Weg nach Damaskus begegnet war.

(K)ein menschliches Evangelium

Zu allen Zeiten haben Menschen versucht, die Botschaft der Bibel zu vermenschlichen. So wurden vermeintlich schwierige Aussagen angepasst oder umgedeutet und damit ein anderes Evangelium verkündet. Menschen denken und handeln nach Menschenart. Ein menschliches Evange­lium mag verlockend klingen, weil es ganz dem Men­schen angepasst ist, aber es besitzt keine freisetzende Kraft. Die eigene Leistung ist gefragt, man kann sich vieles selber erarbeiten oder zumindest teilweise einen bestimmten Level erreichen. Würden wir die heutigen Gemeindeglieder in Kirchen fragen, ob sie ein mensch­liches Evangelium predigen und leben, würden das die meisten weit von sich weisen. Ich glaube aber, dass die westliche Christenheit oft ohne Offenbarung der Person Jesu lebt. Aber ohne die Offenbarung des Gottessohnes leben wir ein menschliches Evangelium.

Offenbarung Jesu Christi

Paulus hatte eine Begeg­nung mit Jesus, die sein Leben radikal veränderte. Er, der die Gemeinde ausrotten wollte, wurde zum glühen­den Kämpfer für die neue Lehre. Auch wir brauchen eine solche Transformation. Eine Offenbarung Christi hat zum Ziel, uns ein größeres Ganzes zu zeigen und uns zu verändern. Er will uns seine Absicht mit uns und der Welt zeigen. Eine Begegnung mit ihm wird uns zur Offenbarung. Die Bibel ersetzt niemals die frische tägli­che Offenbarung der Person Jesu, sondern sie bestätigt diese. Es geht nicht darum, Buchstaben zu befolgen, sondern darum, ihn zu erkennen. Gott hält das für jeden bereit. Er will sein Herz mit seinen Freunden teilen. Wenn wir das wollen, können wir ihn suchen. Er wird sich uns durch sein Evangelium offenbaren, damit die Welt um dich und mich herum sieht: Da ist ein Gott, der lebt!

Dieser Gastbeitrag stammt von einem Kalenderblatt von Markus Gygli – mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: „Inspiration durch Gottes Wort“, Andachtskalender des Bundes Freikirchl. Pfingstgemeinden
Bild: Kirche zu Gadebusch

1 Kommentar zu „Ein menschliches Evangelium: Verlockend, aber ohne freisetzende Kraft?“

  1. Wir sollten nicht vergessen, womit sich Paulus im Galaterbrief besonders auseinandersetzt.
    Nämlich damit, dass manche Christen überkommene Ordnungen für Neubekehrte verpflichtend machen wollten.
    Paulus wehrt sich gegen diese Gesetzlichkeit.
    Das ist das „Menschliche“, das er kritisiert. Denn Paulus hat die Begegnung mit dem Auferstandenen als etwas Befreiendes erfahren. Und sah mit Schrecken das manche, sicher mit den besten Absichten und mit Verweis auf Werte und Ordnungen in denen sie aufgewachsen waren, das Evangelium wieder in eine Gesetzeskorsett zwingen wollten.
    Das „Menschliche“ ist meiner persönlichen Überzeugung nach gerade, dass wir Menschen uns schwertun, die bedingungslose Gnade und Liebe Gottes zu akzeptieren. Das „Menschliche“ ist ein Mechanismus von Leistung und Belohnung, von Gesetz und Strafe, von Beurteilung und Bewertung, mit entsprechenden guten oder schlechten Folgen.
    Dies wird oft auf Gott, der doch die Liebe ist, übertragen. Gott ist anders als wir, er ist größer, er ist gnädiger, er ist unendlich liebevoller.

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