Verzögerung beim Osterjubel ?!

Von Pastorin Diana Wolff, Sehmatal (Bild: Ostertisch in Braunfels)

Als der Osterjubel verzögert kam – Der Herr ist auferstanden!

Am Ostermorgen wird jedes Jahr gejubelt und sich zugerufen:

Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Rückblickend jubeln und feiern wir. Rückblickend schauen wir jedes Jahr mit Jubel und Freude auf die Auferstehung Jesu, auf dieses Wunder zu Ostern, auf die Worte: Er lebt!

Doch von diesem Jubel am Ostermorgen ist in den Berichten zum Ostermorgen in den vier Evangelien noch wenig zu spüren: Vielmehr wird von Erschrecken, von Suchen und Nicht-Finden gesprochen, bei Johannes sogar vom Weinen. Im Lukas-Evangelium ist darüber hinaus beim Anblick des leeren Grabes von Ratlosigkeit die Rede; und als die Frauen den Aposteln die Botschaft von der Auferstehung verkünden, erscheint es ihnen wie Geschwätz und sie können es nicht glauben. Bei Markus wird die Unsicherheit und das Erschrecken am Ostermorgen mit einem Satz auf den Punkt gebracht: „Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich“ (Mk 16,8). Aber in Matthäus ist neben der Furcht bereits direkt etwas von der Freude erwähnt (Mt 28,8), die mehr und mehr Raum gewinnen wird.

Ja, der Osterjubel kam verzögert. Erst langsam brach sich Freude Bahn, wurde aus Erschrecken Staunen und Glauben, wurde aus Verwunderung Zuversicht. Dem heutigen Jubel ging damals ein Begreifen, Sehen und Verstehen voraus.
Vielleicht ganz ähnlich wie heute: Wo empfinden wir z.T. Angst oder Sorge – trotz der Zuversicht auf Gottes Handeln? Was lässt uns erschrecken, verwundern, ratlos sein? Bei welchen Bibelworten haben wir Fragen? Und wo haben wir schon erlebt, dass sich Erschrecken, Unsicherheit oder Sorge in Staunen, Vertrauen und/oder Freude verwandelt hat?

Vor etlichen Jahren haben wir ein Stückweit dieses Staunen, die Verwunderung und Unsicherheit des ersten Ostermorgens in der Grabeskirche in Jerusalem nachempfinden können. In der Ostkirche bzw. orthodoxen Kirche wird diese Kirche Auferstehungskirche genannt, und gerade beim orthodoxen Osterfest füllt sich in der Osternacht die Kirche mit Pilgern und Menschen aus allen Ländern.

In den verschiedenen Kapellen und Bereichen innerhalb der Grabeskirche feiern Gläubige der unterschiedlichen orthodoxen Kirchen ihre jeweiligen Osternachtliturgien, während sich auf dem Dach der Grabeskirche die äthiopisch-orthodoxe Kirche versammelt.
Für unsere mitteleuropäischen Augen und Ohren wirkten die einzelnen Liturgien und Handlungen zum Teil fremd und befremdlich. Immer wider Verwunderung und Staunen. Was besagte das Gemurmel, die Klänge, die Worte? Was bedeuteten die kleinen Zwischenprozessionen in der immer voller werdenden Kirche? Und doch versuchte jeder auf seine Art und Weise Jesus nahe zu sein.
Dann Mitten in der Osternacht, in frühester Morgenstunde schoben sich die Menschenmengen zusammen, und verbanden sich gefühlt zu einer großen Prozession aller Christen im Inneren der Grabeskirche. Eng war es, angespannt, bedrängend gar. Alle zündeten in der Enge ihre Gebetskerzen an und fieberten gemeinsam dem höchsten, dem freudigsten Moment des Kirchenjahres entgegen.

Und plötzlich bricht sich der Jubel Bahn: „Christos waskrjes!“ „Der Herr ist auferstanden!“ „Christ is risen!“  Halleluja!  

Ein gemeinsamer Jubel in verschiedenen Sprachen. Ein Jubel, der vereint. Und der selbst die mit hinein zieht, die eben noch zuschauten, sich fragten oder wunderten, und nicht verstanden.

Auch wir sind eingeladen in diesen Osterjubel einzustimmen, in diese Freude über die Auferstehung Jesu Christi – und das nicht nur am Ostermorgen: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus. In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns neu geboren. Denn er hat uns eine lebendige Hoffnung geschenkt, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.“ (1. Petrusbrief 1,3)

Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden.

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