Ganz besondere Adventslieder – ganz besondere Adventsmomente

Gedanken zur Advents- und Weihnachtszeit von Pastorin a.P. Diana Wolff, Sehmatal (Erzgebirge)

Wer sucht ihn nicht: diesen ganz besonderen Moment in der Advents- und Weihnachtszeit? Den Moment, wo man merkt: Jetzt ist Weihnachten! Einen Moment, wo man alles um sich vergisst, und sich der Gegenwart Gottes bewusst wird. Wo Gottes Frieden einem ins Herz strömt, oder wo
einem warm ums Herz wird, wie Wesley es beschreiben würde.

Wer kennt sie nicht: diese Sehnsucht nach Gottes Gegenwart: „Nur den Saum deines Gewandes einen Augenblick berühr‘n. Nur ein Blick aus deinen Augen. Nur ein Wort aus deinem Mund.“ Schon Wilbur Fisk Crafts beschreibt so einen besonderen Moment 1873 in seinem Lied „Ich blicke voll Beugung und Staunen hinein in das Meer seiner Gnad“ (EmK 272) mit ganz ähnlichen Worten: „Sanft hat Deine Hand mich berühret, er sprach: O mein Kind, du bist heil. Ich fasste den Saum seines Kleides, da ward seine Kraft mir zuteil.“
Wer wünscht es sich nicht: Nur einen solchen Moment erleben, und tief innerlich zu merken, jetzt ist Weihnachten! Dieser Moment, wo man ganz tief im Herzen Jesus begegnet.

Für diesen innerlichen Moment wird äußerlich in der Advents- und Weihnachtszeit eine ganze Menge getan: Häuser werden geschmückt, Schwibbögen aufgestellt, Sterne und Lichter aufgehängt. Es wird gekauft und gebastelt. Gehämmert, gespielt und gebacken. Geschenke gepackt und Gäste geladen. Und überall Lieder, Metten und Feste vorbereitet und geprobt.
Manchmal gleicht es beinah dem Trubel wie damals vor mehr als 2000 Jahren in Jerusalem – auf dem Markt in der Nähe des Tempels. Viele Menschen waren in Aufregung, bald schon machte es die Runde: Ein König, ein Retter kündigt sich an – einer der Hoffnung und Licht bringt und alles verändern wird. Anspannung und Vorfreude, gepaart mit Alltag und Gewürzen lag in der Luft.

Doch einem konnte dieser Trubel nichts anhaben. Er war hochbetagt und gottesfürchtig. Und obgleich er ebenfalls voller Sehnsucht auf den Retter Israels wartete, so ruhte er trotz seines hohen Alters in der Gewissheit, dass er den Retter, den Christus, noch sehen würde. Der Geist Gottes hatte es ihm so verheißen, und führte ihn daher just in dem Moment in den Tempel, als Maria und Josef ihren neugeborenen Sohn Jesus in den Tempel brachten, um ihn Gott zu weihen.
Da war er da dieser ganz besondere Weihnachtsmoment für Simeon: Er hält Jesus für einen Augenblick in seinen Armen und sieht ihn an. Nur ein Blick aus deinen Augen. Und er sieht mehr als ein gewöhnliches Baby: Er sieht den Heiland, den Retter. Er sieht schon die Rettung. Er sieht das Licht und die Herrlichkeit Gottes.
Dieser eine Moment macht für Simeon den Unterschied! Vergessen sind alle Äußerlichkeiten. In so einem Moment zählen nicht mehr Kräppelchen und Glühweinstände, nicht mehr Weihnachtsbaum und Hochglanzpapier, nicht mehr grüne Klöße und Plätzchenteig, nicht mehr Kalendertürchen und Geschenketausch. In diesem Moment ist für Simeon Weihnachten. Und so stimmt er ein ganz besonderes Weihnachtslied an:

Herr, du hast dein Wort gehalten.
Ich habe es mit eigenen Augen gesehen:
Du hast uns Rettung gebracht,
die ganze Welt wird es erfahren.
Dein Licht erleuchtet alle Völker,
und deinem Volk Israel bringt es Größe und Herrlichkeit.

Lukas 2, 29-32 HfA

Solche besonderen Weihnachtsmomente gibt es heute noch. Zum Beispiel vor ungefähr 10 Jahren in Äthiopien, als am Heiligen Abend bei einem Mitmachkrippenspiel in einer anglikanischen Kirche die Kinder am Ende alle noch einmal gemeinsam zur Stroh gefüllten Krippe kamen. Und obwohl sie sich hätten wieder setzen können, blieben viele von ihnen plötzlich ganz andächtig um die Krippe stehen, so als würden sie für einen Moment mehr sehen und wahrnehmen als das Stroh in der Krippe.
Solche besonderen Augenblicke von Gottes Gegenwart sind allgegenwärtig. Mitten unter uns. Mal mittendrin, mal neben dem Weihnachtstrubel. Mal im Weihnachtskonzert oder Festgottesdienst, und mal vielleicht gerade in der Stille danach. Mal im Angesicht von hell strahlenden Lichtern, und manchmal genau dann, wenn die Nacht vorgedrungen und alle Lichter aus sind. Es gibt sie noch, diese Weihnachtsmomente, wo die Gegenwart Gottes spürbar wird, wo uns Jesus ganz nah ist, wo uns warm ums Herz wird. Es gibt sie noch: Genau zu Weihnachten – aber auch einfach so im ganzen Jahr. Immer wieder. Man kann sie nicht machen, und nicht mit Äußerlichkeiten kreieren. Wir dürfen nur nicht vergessen, neben Hochglanzpapier und grünen Klößen, neben Proben und Vorbereiten mal aufzuschauen auf Jesus und uns von Gott ganz persönlich beschenken zu lassen, damit ganz tief im
Herzen Weihnachten wird. Damit wir einstimmen können in dieses besondere Lied zu Weihnachten und zum Vorfreuen im Advent:
Meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern.
Eine gesegnete und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit wünscht
wünscht Pastorin Diana Wolff

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