Still sein. Und was das mit dem Esel zu tun hat.

Von Pastorin Diana Wolff, EmK-Bezirk Sehmatal || Bild: Esel im Adventskoffer von Braunfels, der durch die Häuser geht

„Du aber steh jetzt still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat“ (1 Sam 9,27)

Dieses Jahr dürfen wir wieder ausgelassen feiern und die Adventszeit genießen: auf Weihnachtsmärkten, bei Advents- und Weihnachtsfeiern, mit Kollegen, Senioren, Frauen, Schulklassen oder als Familie. Dazu kommen Krippenspiel- und Chorproben, lebendige Adventskalender, u.v.m. Nach zwei Jahren Regulierungen endlich wieder das volle Programm: Manchmal muss man sich regelrecht entscheiden, was wirklich geht und was man weglässt.

Doch Mitten in diesen adventlichen Trubel hinein klingt mir noch ein Losungwort von kurz vor der Adventszeit im Ohr: „Du aber steh jetzt still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat“ (1 Sam 9,27) Ein Vers, der mir nicht so bekannt vorkam, und der mich aufhorchen ließ.

Diese Aufforderung kommt ursprünglich aus dem Mund von Samuel und richtet sich an Saul. Denn Saul ist seit mehreren Tagen intensiv damit beschäftigt, die Eselinnen seines Vaters zu suchen. Schon drei Tage ist er unterwegs, ist durch das Gebirge Ephraim gegangen, und durch das Gebiet von Schalischa und das Gebiet von Schaalim, und durch das Gebiet von Benjamin bis hin zum Gebiet von Zuf. Ja, Saul war ernsthaft auf dem Weg und auf der Suche. Bis er Samuel begegnet, bis dann letztlich Samuel zu ihm sagen konnte: „Du aber steh jetzt still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat“ (1 Sam 9,27).

Und wir? Stehen wir still, oder sind wir auf der Suche? Und wenn ja, was suchen wir? Was sind unsere „Eselinnen“? Ja, wonach sind wir auf der Suche?: Weihnachtgeschenke? Tischdeko oder Backzutaten? Ein erfolgreiches und fehlerfreies Krippenspiel? Mal-wieder-Spaß-haben-können? Ein harmonisches Familienmiteinander? Abwechslung und Unternehmungen? Mit-dabei-und-mittendrin-zu-sein? Nach einer Lösung für unsere Probleme, oder nach einer Lücke im Kalender? Oder nach Gottes Gegenwart? Was auch immer es ist, Gott weiß, was Du suchst und weiß was Du brauchst: Und so sagt Samuel bei der Begegnung einem überraschten Saul ins Angesicht: „alles was in deinem Herzen ist, will ich dir kundtun. Und um die Eselinnen, die Du vor drei Tagen verloren hast, sorge dich jetzt nicht; sie sind gefunden.“ (1. Samuel 9, 19-20).

Nur die eigentliche Botschaft Gottes, die verrät Samuel ihm noch nicht. Er sagt sie ihm nicht, während sie auf die Höhe steigen, und auch nicht während sie miteinander und mit dreißig anderen gemeinsam essen, und auch nicht als sie Saul ein Nachtlager bereiteten. Warum nicht? War es noch nicht an der Zeit? Wollte Samuel Saul erst noch prüfen?

Erst am nächsten Morgen in frühester Morgenstunde, als Samuel Saul auf seinem Weg geleitet, da am Ende der Stadt – jenseits des Trubels, da erst sprach er die Worte zu ihm: „Sage dem Knecht, dass er uns vorangehe“, gefolgt von den Worten: „ du aber stehe still, dass ich dir kundtue, was Gott gesagt hat.“ Und dann goss er ein Fläschchen Öl über ihn und salbte ihn als zukünftigen König. Die wichtige Botschaft Gottes, diese lebensverändernde Nachricht für Saul, kann Saul ihm nicht einfach mitten im Trubel oder im Stress der Suche, oder im Vorbeigehen sagen.

Es braucht, dass Saul einfach mal still steht. Es braucht diesen Moment von Stille und Ruhe, und die Bereitschaft von Saul auch wirklich zu hören. So wie bei Samuel, der dereinst bereit war, auf Gottes Stimme zu hören, als Gott ihn nachts rief und er antwortete: „Rede, denn Dein Knecht hört.“ So wie bei David, der in einem Pilgerlied besingt, wie er sich auf den Pilgerweg nach Jerusalem und in die Gegenwart begibt:

HERR, mein Herz ist nicht stolz und meine Augen schauen nicht auf andere herab. Ich beschäftige mich nicht mit Dingen, die zu groß oder zu wunderbar für mich sind. Ich bin ganz still und geborgen, so wie ein Kind bei seiner Mutter. Ja, wie ein Kind, so ist meine Seele in mir. (Psalm 131,1+2)

Sehnen wir uns nach dieser Ruhe, nach dieser Stille, nach dieser Gegenwart Gottes? Sehnen wir uns nach Gottes Reden zu uns? Kommen wir noch zur Ruhe? Oder sind wir eher auf der Suche und ständig am Wirken und Wirbeln?

Die Adventszeit war ursprünglich eine Fastenzeit – eine Zeit des Verzichts, der Umkehr, der Ruhe und der Besinnung. In Äthiopien und in vielen anderen christlich-orthodoxen Kirchen wird sie auch heute noch als zweite wichtige Fastenzeit  des Jahres begangen. Advent – als eine Zeit, die uns einlädt, inne zu halten, umzukehren und sich vorzubereiten auf die Ankunft von Jesus: Nicht nur gedanklich auf die Geburt von Jesus vor mehr als 2000 Jahren, oder auf sein zukünftiges Kommen, sondern auch auf die Begegnung mit Jesus im hier und jetzt, auf seine Wegweisung, sein Reden, sein Wort. Denn Gott möchte zu uns Reden, er ist nicht stumm. Aber sind wir bereit zu hören –  sowohl mit den Ohren als auch mit den Herzen?

In vielen Weihnachtskrippen, die gerade aufgebaut sind, steht neben Schaf und Rind auch ein Esel. Vielleicht so eine Art von Esel, wie diejenigen, nach denen Saul gesucht hat. Vielleicht kann uns dieser Esel mitten in der Adventszeit an die Begegnung von Saul und Samuel erinnern – und an die leise Aufforderung: „Du aber steh jetzt still …“

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

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