(emk.de/14.02.2021)

Wie Unterschiede bereichern können 

Von Klaus Ulrich Ruof

Der Anfang ist gemacht

Im Haus Höhenblick in Braunfels fand die Gründungsversammlung für den Gemeinschaftsbund der Evangelisch-methodistischen Kirche statt.

Der »Gemeinschaftsbund der Evangelisch-methodistischen Kirche« ist gegründet. Das ist die Hauptnachricht aus dem hessischen Braunfels, wo sich an diesem Wochenende am Freitag und Samstag (12. und 13. Februar) die bisherige Interims-Leitungsgruppe zur offiziellen Gründung dieses neuen Bundes innerhalb des deutschen Teils der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) versammelte. Coronabedingt musste die eigentlich als Präsenztreffen geplante Veranstaltung im Wesentlichen über die Ausstrahlung im Internet stattfinden. Deutschlandweit waren es rund hundert digitale Kontaktstellen. Die Veranstalter werten den Auftakt bei allen technikbedingten Einschränkungen als Erfolg.

Am Anfang: ein Beschluss mit zwei Auswirkungen

Die jetzt vollzogene Gründung des Gemeinschaftsbunds ist das Ergebnis einer anderthalbjährigen Beratung des im Mai 2019 für den deutschen Teil der Evangelisch-methodistischen Kirche gebildeten Runden Tischs. Darin ging es um unterschiedliche Sichtweisen in Fragen der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Ordination Homosexueller. Der im vergangenen November vom Kirchenvorstand der EmK in Deutschland auf einstimmigen Vorschlag des Runden Tischs gefasste Beschluss sah dabei die Gründung eines Gemeinschaftsbunds vor. Darin sollten Menschen und Gemeinden mit überwiegend konservativer Prägung in sexualethischen Fragen weiterhin innerhalb der Kirche eine Heimat haben können.

Außerdem beschloss der Kirchenvorstand die vorläufige Außerkraftsetzung einiger Passagen der Lehre und Ordnung der EmK mit negativen Äußerungen zu Homosexualität. Ziel dieses Teils der Entscheidung ist, dass sich in Deutschland die EmK stärker für Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen öffnen und auch ihnen in der Kirche eine Heimat bieten kann.

Gutes Miteinander trotz Vorbehalten

Auf die anstrengenden Beratungen bis zur Entscheidung des Kirchenvorstands nahm Andreas Kraft bei der gottesdienstlichen Eröffnung der Braunfelser Veranstaltung am Freitagabend Bezug. Dieser neue Bund sei »kein Wunschkind«, erklärte der Hamburger Pastor und Mitglied des aus drei Personen bestehenden Leitungsteams des Bundes. Wichtig sei jetzt »sich nicht im ›Für und Gegen‹ zu einer Position zu formieren«. Vielmehr gehe es darum, »dass wir uns mit allen Geschwistern aus unserer Kirche freuen«. Dabei gehe es um die Haltung: »Wir sind für das, was uns Christus geschenkt hat und das wollen wir gerne weitertragen.« Die getroffene Entscheidung, ein Gefäß anzubieten, in dem konservative Frömmigkeit gelebt werden könne, sei sinnvoll.

Ausdrücklich betonte der in einem Hamburger Problemviertel arbeitende Pastor, dass durch die Arbeit des Runden Tischs »viel Vertrauen geschaffen wurde«. Es sei »ein gutes Miteinander entstanden«, aber »es sind auf beiden Seiten auch noch Vorbehalte da«. Jetzt gehe es darum, im entstandenen Vertrauen die nächsten Schritte zu tun, und dabei »in Christus zu vertrauen, dass er das Haus des Vaters baut«.

Einladung zur Heilung schmerzhafter Erinnerungen

»Wir haben einen Weg zurückgelegt, der alle Beteiligten sehr viel Kraft gekostet hat«, sagte Stefan Kraft zum Auftakt der Gründungsversammlung am Samstagvormittag. Der Superintendent für den EmK-Distrikt Essen ist Leiter und Sprecher des Gemeinschaftsbunds. Die jetzige Gründungsversammlung hätten alle Beteiligten »wie abgekämpfte Wanderer mit den Spuren der Anstrengungen im Herzen« erreicht. Der Gründungstag sei jetzt aber »ein Tag der Freude«, um »eine Tür zu öffnen in eine starke Zukunft«. Es gehe nicht darum »vor allem Recht zu haben oder eine ›Wagenburg der Rechtgläubigen‹ zu bilden«. Vielmehr gehe es darum, »eine neue Zukunft zu bauen«. »Wir wollen die Kraft des Wortes Gottes erleben, die Einzigartigkeit Jesu feiern und uns ausstrecken nach dem Heiligen Geist, seiner Fülle und seiner Liebe, seinem Wesen und seiner Leitung.«

Dabei dürfe »nicht die Vergangenheit zum Maßstab unseres Weges in die Zukunft« gemacht werden. Stattdessen gehe es um die Einladung »zur Heilung von schmerzhaften Erinnerungen und zu neuem, großem Vertrauen in Christus selbst«. Damit könne ein Gemeinschaftsbund entstehen, »der die Kraft hat, viele Menschen zu segnen, viele anzuziehen und viele zu fördern in ihrer Nachfolge«.

Unterschiedlichkeit als gegenseitige Bereicherung

In seinem Grußwort zur Gründungsversammlung erinnerte Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der EmK, an den fast genau ein Jahr zurückliegenden Moment des Durchbruchs bei den Beratungen des Runden Tischs. Damals habe die einstimmige Entscheidung dieser aus einundzwanzig Personen mit sehr unterschiedlichen Überzeugungen zusammengesetzten Gruppe den Weg freigemacht, um als EmK in Deutschland trotz unterschiedlicher Meinungen zusammenzubleiben.

Dieser Moment habe ihn, wie er schildert, »sehr nachhaltig und tief berührt«. Es hätten sich zwar nicht die Überzeugungen verändert, »was sich aber verändert hat, war die Art und Weise wie wir einander begegnet sind und wie wir einander wahrgenommen haben: nämlich als Schwestern und Brüder, die Christus liebhaben und die von Christus geliebt sind, denen die Bibel ausgesprochen kostbar ist, auch wenn wir sie an manchen Stellen unterschiedlich verstehen«. Das habe zu einer gegenseitigen Bereicherung und zunehmend wachsendem Vertrauen geführt.

Ein starkes Zeugnis – auch für die Gesellschaft

Die Gründung des Gemeinschaftsbunds als Teil der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland habe, so Rückert weiter, »in weiten Teilen der Ökumene viel Aufmerksamkeit erregt« und »viel Zuspruch« ausgelöst. Viele seien »beeindruckt, dass wir so weit gekommen sind mit dem ernsthaften Versuch ›beisammenbleiben um Christi willen trotz unterschiedlicher Grundüberzeugungen‹«. Auch in der weltweiten EmK sei aufmerksam registriert worden, »was wir versucht haben: zusammen zu bleiben, gemeinsam in Gottes Mission zu stehen, im Wissen, dass wir einander in dieser Unterschiedlichkeit brauchen«.

In der Gesellschaft und auch in der Kirche würde zurzeit eher Spaltung, Abgrenzung und Trennung propagiert, so Rückert weiter. Dies geschehe leider auch in der eigenen Kirche weltweit. »Wir gehen einen anderen Weg in Deutschland«, betonte der Bischof demgegenüber. Er sieht darin »ein starkes Zeugnis«, das auch für die Gesellschaft bedeutsam sein könne.

»Ich glaube, Christus hat uns berufen, gemeinsam Zeugnis seiner Liebe zu geben«, sagte er in die digitale Runde der Zuhörerschaft. Und weiter: »Ich wünsche uns miteinander, dass wir dieses Zeugnis der Liebe Gottes durch Worte und Taten noch viel deutlicher, glaubhafter und fröhlicher in unsere Zeit hineintragen können und wir uns dabei gegenseitig unterstützen«. Das solle »weltoffen und herzensfromm«, »in Freiheit und Verbindlichkeit« sowie »evangelistisch-missionarisch und als Evangelium der Tat« geschehen. Dazu solle auch der Gemeinschaftsbund beitragen, »dass unser gemeinsames Zeugnis für die Welt stark wird und zu einem Segen füreinander und für die Welt«.

Neue Strahlkraft für die Kirche

Rückert erklärte, dass dieses gemeinsame Unterfangen gelingen könne, wenn sich alle in der Kirche dafür gewinnen ließen, sich an den Gesprächsregeln des Runden Tischs zu orientieren. Dort heiße es beispielsweise: »Wir teilen einander unsere tiefen Überzeugungen mit und treten für unsere Sichtweise ein. Das verbinden wir allerdings mit der Demut, die darum weiß, dass alle Erkenntnis Stückwerk bleibt und darum ergänzungs- und korrekturbedürftig ist.« In dieser Weise könne die gesamte Kirche »fröhlich und mit der Freude am Herrn unterwegs sein«. Das könne der Kirche neue Strahlkraft geben, um das Leben von Menschen und dadurch auch die Welt zu verändern.

Netzwerk mit hundert Hauskreisen geplant

Nach der Gründung des Gemeinschaftsbunds stünden die ersten Projekte an, um dem Bund Gestalt zu geben, erklärte Stefan Kraft im Schlussteil der Gründungsversammlung. Vorrangig nannte er dabei ein als »Projekt 100 Hauskreise« beschriebenes Netzwerk, mit dem Menschen verbunden werden sollten, die die Anliegen des Gemeinschaftsbunds teilen.

Des Weiteren würden Regionaltage geplant, die Organisation von Gebetsgruppen stehe an und es gehe um die Gewinnung von Mitarbeitern sowie die Entwicklung einer die Arbeit des Bundes unterstützenden Struktur. Interessenten – die ersten fünfzig Mitglieder hatten sich gleich mit der Auftaktveranstaltung schon registrieren lassen – könnten sich über die Internetseite des Gemeinschaftsbunds informieren und sich mit den Verantwortlichen in Verbindung setzen. Jetzt, so betonte Kraft zum Schluss der Veranstaltung, liege der Ball zunächst bei den Menschen und Gruppen in den Gemeinden der EmK in Deutschland, sich mit diesem Angebot zu beschäftigen und die Einladung zur Beteiligung anzunehmen. »Der Anfang ist gemacht.«

Autor: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

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