Wofür wir stehen

12 theologische Grundlagen - die Basis unserer Arbeit

Vorbemerkung

Der Gemeinschaftsbund wurde von der Evangelisch-methodistischen Kirche gegründet, um Menschen, die mit veränderten sexualethischen Richtlinien der Kirche in Gewissensnöte kommen, eine geistliche Heimat in ihrer Kirche zu geben. Zu einer solchen Glaubensüberzeugung gehören Aussagen zu verschiedenen theologischen Fragen auch über die sexualethischen Aussagen hinaus.

Die folgenden Formulierungen sind eine bestimmte Interpretation der gemeinsamen Lehrgrundlagen der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Theologische Grundlagen

  • Einfach erklärt
  • Offizieller Text

1. Gottes Wort – echte Lebensquelle!

Wir glauben, dass Gottes Wort Grund und Quelle unseres Lebens ist. Gott hat in Jesus Christus, seinem fleisch- gewordenen Wort, ein für alle Mal zu uns gesprochen. Dieses Reden Gottes und seine Vorgeschichte sind in der Bibel bezeugt. Auf der Grundlage der Bibel spricht Gott auch heute zu uns Menschen sein erlösendes Wort.

Joh 1,1.14 | Hebr 1,1f. | Röm 1,2

2. Die Bibel – tragfähiger Plan fürs Leben!

Wir glauben, dass die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments Gottes Wort ist. Sie ist von Menschen unter der Leitung und Bevollmächtigung des Heiligen Geistes geschrieben und somit Gottes Wort in Gestalt von Menschenwort. Deshalb will die Bibel unter der Leitung des Heiligen Geistes in erster Linie durch sich selbst ausge- legt werden. Kirchliche Lehre, Erfah- rung und Vernunft sind dabei wertvol- le Hilfen des Verstehens, so lange der Vorrang der Schrift bewahrt bleibt.

2. Tim 3,16 | vgl. Lk 1,1-4 | 2. Petr 1,20f.

3. Gott: Schöpfer, Vollender – und liebender Vater!

Wir glauben, dass der Gott der Bibel der eine und einzige Gott ist. Er ist der allmächtige Schöpfer und Vollender der sichtbaren und der unsichtbaren Welt und in Jesus Christus unser barmherziger himmlischer Vater. In Jesus Christus hat er sich in seiner Liebe zu uns Menschen am deutlichs- ten offenbart.

Dtn 6,4 | Ps 86,10 | Jes 45,5 | 1. Kor 8,4.6 | Mt 6,6-9 | Röm 8,15

4. Jesus, der Sohn Gottes – Erlöser und Lebensvorbild!

Wir glauben, dass Jesus Christus der Mensch gewordene Sohn Gottes ist. Deshalb ist er wahrer Gott und wahrer Mensch. An seine Person hat Gott das Heil für alle Menschen gebunden. Durch sein Sterben für uns und seine Auferstehung hat Jesus die Verge- bung und Überwindung von Sünde und Tod erwirkt und neues, ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Gott eröffnet. Weil Jesus der Mensch war, der wahrhaft nach dem Wort und Wil- len Gottes gelebt hat, ist er bleibendes Vorbild und Kraft für unsere Lebens- führung in seiner Nachfolge.

Joh 1,1.14 | Hebr 1,1f. | Röm 1,2 | Hebr 1,1 | Joh 3,16; 14,6 | Apg 4,12 | Röm 1,16 | Röm 4,24f.; 8,1-4 | 1. Kor 15,54f. | 2. Kor 5,14f.21

5. Der Heilige Geist - erfahrbare Lebenskraft!

Wir glauben, dass der Heilige Geist Gott selbst ist, wie er in der Welt und insbesondere in uns Menschen am Werk ist. Ohne ihn können wir nicht er- kennen, wer Jesus in Wahrheit ist, und auch nicht an Jesus glauben. Der Hei- lige Geist befähigt uns zur Nachfolge Jesu und zum Zeugnis von ihm in Wort und Tat. Er rüstet uns mit seinen Gaben auch heute noch zum Aufbau der Ge- meinde und Dienst in der Welt aus.

1. Kor 2,10f.; 12,3 | Eph 1,17ff.; 3,4f. | Apg 1,8 | Apg 10,44ff.; Röm 15,18f. | 1. Kor 12-14

6. Der Glaube - Teilhaben an Gottes Reichtum!

Wir glauben, dass das Heil des Men- schen darin liegt, dass er Friede mit Gott im Glauben an Jesus Christus hat. Das bedeutet Leben vor und mit dem lebendigen Gott im Erfüllt-Sein mit dem Reichtum seiner geistlichen Gaben (insbesondere Friede, Freude, Gewissheit des Heils, Charismen), in Vergebung und Freiheit von der tod- bringenden Macht der Sünde sowie im Heil-Werden des seelisch-leiblichen Lebens. Der Glaube daran ist immer wieder der Anfechtung ausgesetzt und durch menschliche Unzuläng- lichkeit und Schwachheit gefährdet. Deshalb vertrauen wir auf das gnädige Wirken Gottes, der mit uns zu seinem Ziel kommen wird.

Röm 5,1f; 6,3-11 | 1. Kor 10,6-12 | 1. Joh 5,11f. | Phil 2,12f. | Joh 20,31 | Kol 2,6f | Apg 26,18 | Röm 8,1f | Mk 1,34; 3,14f.; Röm 15,18f.

7. Heiligung - tiefe Lebens- erfüllung im Einklang mit Gottes Wort und Willen!

Wir glauben, dass unser Heil in der annehmenden Liebe Gottes begründet ist, die uns als Sündern bedingungs- los gilt. Durch seinen Geist erweckt Gott in uns den Glauben an Jesus Christus als Umkehr und Erneuerung des Herzens, so dass wir zu neuen Geschöpfen bzw. wiedergeborenen Menschen werden. In unserem Leben ereignet sich dies als Bekehrung bzw. Entscheidung, fortan mit und für Je- sus leben zu wollen - was die immer neue Hinwendung zu ihm einschließt. Durch den Heiligen Geist befähigt Gott uns zum Leben im Einklang mit sei- nem Wort und Willen. So gewinnt das neue Leben in unserem Lebenswandel eine konkrete Gestalt. Das ist unsere Heiligung. Auf diesem Weg wachsen wir in Glaube, Hoffnung und Liebe mit dem Ziel des vollkommen Verbunden- Seins mit Christus und Geprägt-Seins von seiner Liebe.

Röm 3,23f.; 5,5.8ff. | 1. Thess 1,9f. | 2. Kor 5,17 | Joh 3,3-8 | Tit 3,4-7 | 1. Petr 1,3 | Röm 8,4 | 1. Kor 1,30 | Röm 12,1f. | Gal 5,25 | Eph 2,10 | 1. Thess 4,3-7 | 1. Kor 13,13 | Eph 4,13-15

8. Gebet– wichtigste Quelle der Kraft und Inspiration!

Wir glauben, dass das Gebet zum drei- einigen Gott die wichtigste Quelle von Kraft und Inspiration für ein christli- ches Leben ist. Im Gebet erfahren wir die Wirklichkeit unserer Gotteskind- schaft und das Wirken des Heiligen Geistes, der unser unvollkommenes Reden in ein Gott gemäßes Beten ver- wandelt. Das Beten Jesu dient uns als Muster und Vorbild für unser Beten: sein Gebetsleben in Anbetung, Dank, Bitte und Fürbitte sowie das „Vaterun- ser" und seine Weisungen zum Bittge- bet und Gebet für die Feinde.

Röm 8,15; Gal 4,6 | Röm 8,26f. | Mk 1,35; 14,35f. | Mt 11,25f. | Joh 11,41 | Mk 14,36 | Lk 22,32 | Mt 6,9-13 | Mt 6,7f.; 7,7-11 | Mt 5,44f. | Gen 1,27f.; Gen 2,24 | Mk 10,6-9

9. Die Ehe - von Gott geschaffe- ner Raum für Mann und Frau!

Wir glauben, dass Gott die Menschen in der gegenseitigen Zuordnung der beiden Geschlechter, als Mann und Frau, geschaffen hat - und dass der Schöpfer die geschlechtliche Gemein- schaft im ganzheitlichen, lebenslan- gen Verbunden-Sein von Mann und Frau in der Ehe verortet hat. Deshalb finden sexuelle Beziehungen „nur innerhalb des Bundes einer mono- gamen, heterosexuellen Ehe" unsere „volle Zustimmung". Deshalb glauben wir auch nicht, dass Homosexualität eine „gute Gabe" des Schöpfers ist, und können der Segnung/Trauung gleichgeschlechtlicher Paare nicht zustimmen. Ebenso findet die vielfach intendierte Umdeutung der Ehe als Bund von zwei Menschen nicht unsere Zustimmung. Auch die Ordination von Menschen, die ihre Homosexualität offen leben, können wir nicht bejahen.

Siehe hier auch die VLO (Verfassung Lehre und der EmK) bis 2020: Soziale Grundsätze 161 G und Art. 341

Gen 1,27f.; 2,24 | Mk 10,6-9

10. Kirche und Gemeinde - gesegneter Ort für unsere Gemeinschaft und unser Rausgehen!

Wir glauben, dass die Kirche die Gemeinschaft der Heiligen ist, die an Jesus Christus glauben und durch den Heiligen Geist miteinander verbunden sind. Als eine solche geistliche Größe ist die wahre Kirche unsichtbar. Sie tritt aber sichtbar in Erscheinung als Gemeinschaft von Menschen, die Jesus nach- folgen, in seiner Sendung stehen und seinen Auftrag erfüllen. Die Grundform dieser Gemeinschaft ist die Gemeinde. Auftrag der Gemeinde ist es, die durch Jesus ermöglichte Gemeinschaft und Versöhnung zu verwirklichen und dabei Menschen anderer Kulturen einzubeziehen.

Eph 1,1 | 1. Kor 12,13 | Joh 20,21. | Apg 1,8 | Mt 28,19f. | Eph 2,14ff. | 1. Kor 9,19-22

11. Die Religionen - Ausdruck der Suche nach Gott, die nur in Jesus zum Ziel kommt!

Wir glauben, dass Gott als der Schöp- fer der Welt das Heil aller Menschen will - unabhängig von ihrer Religion und Stellung zu ihm. Als der eine und einzige Gott (vgl. oben Art. 3), der sich umfassend in Jesus Christus geoffenbart hat, kann er allein Heil und Leben schenken. Deshalb gibt es für keinen Menschen Heil ohne Jesus Christus. Darum sind wir zum welt- weiten Zeugnis für Jesus gerufen - in der Hoffnung, dass der Heilige Geist in den Menschen Glauben an Jesus erweckt. Mit Röm 9-11 glauben wir an die Verheißungen Gottes für Israel, die in Jesus Christus ihren Anfang und ihr Ziel haben.

Gen 12,3 | Jes 49,6 | 1. Tim 2,4 | 1. Thess 1,9f. | Röm 5,8-10 | Joh 14,6 | Apg 4,12 | Röm 11,26f. | 2. Kor 5,18-21 | Phil 2,10f. | Kol 1,19f. | Mt 28,19f. | Apg 1,8 | 1. Kor 12,2f. | 1. Thess 1,2-5 | Mt 5,13f.; 28,19f. | Apg 1,8; 4,20 | Mt 22,37-40

12. Mission und Evangelisation - – unser Auftrag an alle Menschen!

Wir glauben, dass das öffentliche Bezeugen Jesu Christi in Wort und Tat ein elementares Wesensmerkmal christlichen Lebens und der Kirche ist. Darum sehen wir unsere Aufgabe in der Weitergabe des Evangeliums und im Hineinführen in die Jesusnachfolge zu einem Leben in ganzer Liebe zu Gott und den Menschen. Dabei haben der Ruf zur Umkehr und die Annahme der Sündenvergebung einen besonde- ren Stellenwert, denn so gelangt der Mensch in die neue Beziehung zu Gott (vgl. oben Art. 6).

Viele Inhalte dieser Theologischen Grundlagen beschreiben gemeinsame Überzeugungen in unserer Kirche und finden sich auch in den Lehrgrundlagen der VLO (Verfassung, Lehre und Ordnung der EmK in D), wie sie bis 2020 ohne Einschränkungen galt.

Das Anliegen dieser zwölf Aussagen ist es, die für uns zentralen Aussagen der VLO zu fokussieren. Darüberhinausgehend profilieren wir damit unsere Haltung, insbesondere beim Thema 9 „Sexualität und Ehe" aus Sicht des Gemeinschaftsbundes, weil sie sich im neuen Entwurf der VLO nicht mehr wiederfindet. Diese klaren Aussagen helfen den Menschen, sich in der EmK beheimatet zu wissen, auch wenn die VLO nicht mehr ihre Herzenshaltung wiedergibt. Ganz bewusst stehen unser Verständnis von „Wort Gottes" und „Bibel" am Anfang, weil sich viele der dann folgenden Aussagen aus unserem Bibelverständnis ergeben.

Die Theologischen Grundlagen verstehen sich nicht als Bekenntnistext innerhalb der EmK, sondern als Ausdruck unserer Glaubensüberzeugungen, um den gemeinsamen Weg innerhalb der Kirche zu sichern.

1. Gottes Wort

Wir glauben, dass Gottes Wort die Grundlage, Quelle und Norm allen christlichen Lebens und Glaubens ist. Es ist ein für alle Mal ergangen in Jesus Christus, der darum das Wort Gottes schlechthin ist (Joh 1,1.14; Hebr 1,1f.), und ist bezeugt durch die Apostel und die anderen biblischen Autoren (Röm 1,2; Hebr 1,1). Auf dieser Grundlage ergeht das Wort Gottes weiter in der Verkündigung und dem Zeugnis der Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes.

2. Die Bibel

Wir glauben, dass die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments Gottes Wort ist - und zwar vor und unabhängig von allem menschlichen Vernehmen dieses Wortes. Als solche ist sie von Menschen unter der Leitung und Bevollmächtigung des Heiligen Geistes geschrieben (2. Tim 3,16). Sie ist somit Gottes Wort in Gestalt von Menschenwort (vgl. Lk 1,1-4). Mit den Reformatoren und Vätern/Müttern der methodistischen Bewegung glauben wir deshalb, dass die Bibel unter der Leitung des Heiligen Geistes in erster Linie durch sich selbst ausgelegt werden will und muss (2. Petr 1,20f.). Die Einbeziehung von Tradition, Erfahrung und Vernunft ist dabei eine wertvolle Hilfe des Verstehens, solange der Vorrang der Schrift gewahrt bleibt.

3. Gott, der Vater

Wir glauben, dass der Gott der Bibel der eine und einzige Gott ist (5. Mose/Dtn 6,4; Ps 86,10; Jes 45,5; 1. Kor 8,4.6). Er ist der allmächtige Schöpfer und Vollender der sichtbaren und der unsichtbaren Welt (vgl. Nizänisches Glaubensbekenntnis) und in Jesus Christus unser barmherziger himmlischer Vater (Mt 6,6-9; Röm 8,15). Die „Götter", von deren Wirklichkeit neben Gott die Bibel spricht (Ps 86,8; 135,5; 1. Kor 8,5; 1. Thess 1,9), sind nach unserer Überzeugung Wesen der unsichtbaren Welt, die sich grundlegend von dem einen, wahren Gott unterscheiden und ihm nicht gleichkommen (Röm 8,38f.; 1. Kor 8,4-6; 10,20f.; Eph 6,12). Das maßgebliche Kriterium für die Rede vom Gott-Sein Gottes ist seine Selbstoffenbarung in Jesus Christus.

4. Jesus Christus

Wir glauben, dass Jesus Christus der Mensch gewordene Sohn Gottes und als solcher wahrer Gott und wahrer Mensch ist (Joh 1,1.14). An seine Person hat Gott das Heil für alle Menschen gebunden (Joh 3,16; 14,6; Apg 4,12; Röm 1,16). Durch seinen stellvertretenden Sühnetod und leibliche Auferstehung hat Jesus die Vergebung und Entmachtung von Sünde und Tod erwirkt und neues, ewiges Leben in der Gemeinschaft mit Gott eröffnet (Röm 4,24f.; 8,1-4; 1. Kor 15,54f.; 2. Kor 5,14-15.21). Das ist der Kern des Heils, das Gott durch ihn geschaffen hat. Jesus Christus ist nach dem Zeugnis der Evangelien der Mensch, der wahrhaft nach dem Wort und Willen Gottes lebt. Seine Gerechtigkeit kommt uns Menschen zugute und ist bleibendes Vorbild und Kraft für unsere Lebensführung in seiner Nachfolge.

5. Der Heilige Geist

Wir glauben, dass der Heilige Geist Gott selbst in seiner geistigen Gegenwart und machtvollen Wirksamkeit in der Welt und insbesondere im Menschen ist. Als solcher erschließt der Heilige Geist primär Jesus Christus als das eine heilschaffende Wort Gottes (1. Kor 2,10f.; 12,3; Eph 1,17ff. und 3,4f.) und weckt den Glauben an Jesus (Apg 10,44ff.; Röm 15,18f.). Er befähigt zur Nachfolge Jesu und zum Zeugnis von ihm in Wort und Tat (Apg 1,8) und rüstet die Glaubenden mit seinen Gaben auch heute noch zum Aufbau der Gemeinde und Dienst in der Welt aus (1. Kor 12-14). Er wirkt in uns das Leben in der inneren Verbundenheit mit Jesus und im Einklang mit dem Wort und Willen Gottes (Röm 8). Sein Wirken kann deshalb niemals im Widerspruch zum Wort Gottes stehen.

6. Das Heil des Menschen

Wir glauben, dass das Heil des Menschen in seiner neuen Beziehung zu Gott im Glauben an Jesus Christus besteht (Joh 20,31; Rom 5,1t.; 6,3-11; 1. Joh 5,11t.). Es ist Leben vor und mit dem lebendigen Gott im Erfüllt-Sein mit dem Reichtum seiner geistlichen Gaben (insbesondere Friede, Freude, Gewissheit des Heils, Charismen), in Vergebung und Freiheit von der Macht der Sünde (als Selbstbehauptung des Menschen gegen Gott mit allen ihren üblen Auswirkungen) und des Todes (Apg 26,18; Röm 8,1f.) sowie im Heil-Werden des seelisch-leiblichen Lebens (Mk 1,34; 3,14f.; Röm 15,18f.). In dieser Welt ist das Heil eine Wirklichkeit, die an den Glauben gebunden ist. Es ist darum der Anfechtung ausgesetzt und durch menschliche Unzulänglichkeit und Schwachheit gefährdet (1. Kor 10,6- 12). Seine Sicherheit liegt allein im gnädigen Wirken Gottes, dem wir uns darum immer wieder neu zuwenden und aussetzen müssen (Phil 2,12f.; Kol 2,6f.).

7. Heil und Heiligung

Wir glauben, dass das Heil des Menschen in Gottes rechtfertigender Liebe gründet (Röm 3,23f.), die uns als Sündern bedingungslos gilt (Röm 5,8ff.). Durch seinen Geist erweckt Gott in uns den Glauben an Jesus Christus als Umkehr (1. Thess 1,9f.) und Erneuerung des Herzens (Röm 5,5), so dass wir zu neuen Kreaturen (2. Kor 5,17) bzw. wiedergeborenen Menschen (Joh 3,3-8; Tit 3,4-7; 1. Petr 1,3) werden. In unserem Leben ereignet sich dies als Bekehrung bzw. Entscheidung, fortan mit und für Jesus leben zu wollen - was die immer neue Hinwendung zu ihm einschließt. In der Taufe, die entweder im Glauben empfangen oder später im Glauben angenommen wird, wird uns dieses Heil zeichenhaft zugesprochen (Röm 6,3-11) und werden wir in den Leib Christi eingegliedert (1. Kor 12,13). Unsere Heiligung besteht in der Befähigung durch den Heiligen Geist zum Leben im Einklang mit dem Wort und Willen Gottes (Röm 8,4; Kol 1,30), damit das neue Leben in unserem Lebenswandel eine konkrete Gestalt gewinnt (Röm 12, 1f.; Gal 5,25; Eph 2,10; 1. Thess 4,3-7). Auf dem Weg der Heiligung wachsen wir in Glaube, Hoffnung und Liebe (1. Kor 13,13) mit dem Ziel des vollkommen Verbunden-Seins mit Christus und Geprägt-Seins von seiner Liebe (Eph 4,13-15).

8. Gebet

Wir glauben, dass - entsprechend dem Heil als lebendiger Beziehung zu Gott - das Gebet zum dreieinigen Gott die wichtigste Quelle von Kraft und Inspiration für ein christliches Leben ist. Im Gebet erfahren wir die Wirklichkeit unserer Gotteskindschaft (Röm 8,15; Gal 4,6) und das Wirken des Heiligen Geistes, der unser unvollkommenes Reden in ein Gott gemäßes Beten verwandelt (Röm 8,26f.). Das Beten Jesu dient uns als Muster und Vorbild für unser Beten: sein Gebetsleben (Mk 1,35; 14,35f.) in Anbetung (Mt 11,25f.), Dank (Joh 11,41), Bitte (Mk 14,36) und Fürbitte (Lk 22,32) sowie das „Vaterunser" (Mt 6,9-13) und seine Weisungen zum Bittgebet (Mt 6,7f.; 7,7-11) und Gebet für die Feinde (Mt 5,44f.).

9. Sexualität, Ehe

Wir glauben, dass Gott die Menschen in der gegenseitigen Zuordnung der beiden Geschlechter, als Mann und Frau, geschaffen hat (Gen 1,27f.) und als der Schöpfer die geschlechtliche Gemeinschaft im ganzheitlichen, lebenslangen Verbunden-Sein von Mann und Frau verortet hat (Gen 2,24; Mk 10,6-9). Deshalb finden sexuelle Beziehungen „nur innerhalb des Bundes einer monogamen, heterosexuellen Ehe" unsere „volle Zustimmung" (Soziale Grundsätze 161 G VLO 2017). Deshalb glauben wir auch nicht, dass Homosexualität eine „gute Gabe" des Schöpfers ist, und können der Segnung/Trauung gleichgeschlechtlicher Paare nicht zustimmen (Art. 341.6 VLO 2017). Ebenso findet die vielfach intendierte Umdeutung der Ehe als Bund von zwei Menschen nicht unsere Zustimmung, da hier die vom Schöpfer vorgegebene Zuordnung von Mann und Frau nicht mehr konstitutiv für das Verständnis von Ehe ist. Auch die Ordination von Menschen, die ihre Homosexualität offen leben, können wir nicht bejahen. [VLO = »Verfassung, Lehre und Ordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche]

10. Kirche und Gemeinde

Wir glauben, dass die Kirche die Gemeinschaft der Heiligen ist, die an Jesus Christus glauben (Eph 1,1) und durch den Heiligen Geist miteinander verbunden sind (1. Kor 12,13). Als eine solche geistliche Größe ist die wahre Kirche unsichtbar. Sie tritt aber sichtbar in Erscheinung als Gemeinschaft von Menschen, die Jesus nachfolgen, in seiner Sendung stehen (Joh 20,21; Apg 1,8) und seinen Auftrag erfüllen (Mt 28,19f.). Die Grundform dieser Gemeinschaft ist die Gemeinde. Sie ist Teil des weltumspannenden Leibes Christi (1. Kor 12,27; Eph 1,22f.), in dem Menschen die heil machende Fülle dieses Leibes an Geist, Seele und Leib erfahren (1. Kor 12,24-28; Eph 1,23 und 4,12-16) und sich vom Frieden Jesu Christi und seinem Wort dankbar regieren lassen (Kol 3,15-17). Hier haben irdisch-menschliche Unterschiede keine Geltung mehr (Gal 3,26-28), da alle miteinander den Namen des Herrn anrufen (Röm 10,12f.). Auftrag der Gemeinde ist es, sichtbar und öffentlich die neutestamentliche Vision von Gemeinschaft und Versöhnung zu verwirklichen (Eph 2,14ff.) und dabei Formen des umgebenden kulturellen Lebens einzubeziehen (1. Kor 9,19-22).

11. Religionen

Wir glauben, dass Gott als Schöpfer der Welt das Heil aller Menschen will (Gen 12,3; Jes 49,6; 1 Tim 2,4) - unabhängig von ihrer Religion (1. Thess 1,9f.) und Stellung zu ihm (Röm 5,8-10). Als der eine und einzige Gott (s.o. Art. 3), der sich umfassend in Jesus Christus geoffenbart hat, kann er allein dem Menschen Heil und Leben schenken. Deshalb gibt es kein Heil an Jesus Christus vorbei (Joh 14,6; Apg 4,12; Röm 11,26f.; 2. Kor 5,18-21; Phil 2,10f.; Kol 1,19f.) und sind die Religionen keine Wege, die je auf ihre Weise am Heil Gottes für die Menschen Anteil geben. Deshalb sind wir zum weltweiten Zeugnis für Jesus gerufen (Mt 28,19f.; Apg 1,8) - in der Hoffnung, dass der Heilige Geist in den Menschen Glauben an ihn als der Wahrheit des Evangeliums erweckt (1. Kor 12,2f.; 1. Thess 1,2-5). Mit Röm 9-11 glauben wir an die Verheißungen Gottes für Israel, die in Jesus Christus ihren Anfang und ihr Ziel haben. Als geliebten Geschöpfen Gottes begegnen wir Menschen anderer Religionen respektvoll und treten für Religionsfreiheit ein - in der Hoffnung darauf, dass Gott seinen Plan mit den Religionen vollenden wird.

12. Mission und Evangelisation

Wir glauben, dass das öffentliche Bezeugen Jesu Christi in Wort und Tat ein elementares Wesensmerkmal christlichen Lebens ist (Mt 5,13f.; 28,19f.; Apg 1,8; 4,20). Kirche ist Mission mit dem Ziel, den weltweiten Auftrag Jesu zu erfüllen - durch aktive Weitergabe des Evangeliums, Hineinführen in die Jesusnachfolge, Eingliederung in die christliche Gemeinschaft, Unterweisung im Glauben und in ein Leben in ganzer Liebe zu Gott und den Menschen (Mt 22,37-40) im Horizont des Reiches Gottes. Dabei haben der Ruf zur Umkehr und die Annahme der Sündenvergebung einen besonderen Stellenwert, da das Heil des Menschen primär in seiner neuen Gottesbeziehung besteht (s.o. Art. 6).

Verabschiedet von der außerordentlichen Zentralkonferenz Deutschland der Evangelisch-methodistischen Kirche Chemnitz, am 25. November 2022 (Endredigierte Fassung - Stand 23. Dezember 2022).

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