Kennen Sie diese Baumarkt-Werbung? Ja – da haben sie recht: Leute, die selbst werkeln, bauen und sich dann am Ergebnis richtig freuen können – das sind schon respektable Anpacker. Gott hat uns erstaunliche Fähigkeiten gegeben – und den Firmen gute Ideen für praktische Werkzeuge … und er hat uns das Internet erfinden lassen, um Tausende von Filmchen mit Tricks und Kniffen zum Selbermachen zu erhalten. Zeitgenossen, die wir brauchen!
Von den Zeitgenossen ist es nicht weit zum „Zeitgeist“, der durch diese Überschrift treffend beschrieben wird. Dass wir als Menschen selbst die Welt retten wollen und vermeintlich könnten, scheint allgemeiner Konsens zu sein. Es gilt schon als eine besondere Nachricht, wenn Politiker mit dem „So wahr mir Gott helfe“ eingestehen, dass sie eben nicht alles „selber machen“ können.
Damit liegen sie gut im biblischen Flussbett, an dessen Anfang es ja heißt: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“ – und erst unter dieser Voraussetzung dann mit dem „Macht euch die Erde untertan“ mit der Arbeit am Werkstück, auf dem Feld und im heimischen Keller begonnen werden. Das menschliche Anpacken und Machen hat also den ehrenvollen zweiten Platz, denn (um in der Baumarktbranche zu bleiben) es gilt nach wie vor:
„Wenn nicht der HERR das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn nicht der HERR die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“
Psalm 127,1
Die Grundsatzfrage: Mit welcher Kraft bin ich unterwegs?
Der Geist unserer Zeit ist weiterhin eifrig damit beschäftigt, die Autorität, die Macht und die Möglichkeiten Gottes auszublenden. Immer wieder (neu) klingt bei den großen Themen der Menschheit die kommunistische „Internationale“ durch:
„Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun! …
Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.“
Wir stehen offenbar im Kampf zwischen zwei völlig verschiedenen Kulturen, die sich ganz einfach benennen lassen:
„Mit Kraft des Christus“ oder „Ohne Kraft des Christus?“
Wir Christen spüren diese Vibration der beiden Gegensätze täglich in Politik und Gesellschaft.
Beim genauen Hinsehen spüren wir diese Spannung auch in uns selbst: Wo beziehe ich die Kraft und die Möglichkeiten unseres Gottes in die Probleme meines Lebens ein? Wo baue ich wirklich auf Ihn, auf Seine Möglichkeiten, auf Seine konsequente Vaterliebe, auf Seine tatsächliche Präsenz? Bin ich wirklich an den Weinstock angeschlossen, an diesen Lebensstrom, der mir alles gibt, was ich brauche? Oder versuche ich es unversehens und selbstverständlich, meine Probleme selbst zu lösen und vergesse schlicht, dass es auch Seine Kraft gibt – weil der unvermeidliche Zeitgeist des Selbermachens sich auch in mich eingeschlichen hat?

Oder fehlt mir der Glaube, dass Er wirklich mein Begleiter mit allen Kompetenzen dieser Welt ist? – Das „Triumphkreuz“ aus dem Doberaner Münster kann uns hierbei eindrücklich Mut machen:
Seit über 600 Jahren sagt es uns Menschen: ER ist der Sieger der Weltgeschichte – das Gold gibt ihm die Majestät. ER ist auch derjenige, sich in Leidenschaft für mich am Kreuz hingegeben hat – und so kommen bei Ihm die Macht und die Liebe zusammen, die mich zum Vertrauen einladen: Ich muss nicht alles selbst machen. Diese Verbindung zu meinem eigenen Leben wird durch das Weinlaub dargestellt, denn dahinter steckt die Botschaft:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Joh 15,5
Respekt, wer`s nicht alleine macht
So darf für mein Leben der Satz gelten: „Respekt, wer`s nicht alleine macht“ . Und wir Christen dürfen uns mit dieser Lebensweise vor anderen Menschen sehen lassen! Sie werden Respekt vor uns haben, wenn wir bekennen, dass wir Gott für unser Leben notwendig brauchen. Wir schaffen es eben nicht selber, über diese Erde mit dem Anspruch zu gehen, dass wir immer mehr zu Ebenbildern von Gottes Liebe werden – und dabei auch in Beruf, Familie; in Handwerk und Heimwerk immer wieder Seine Hilfe brauchen.
Im Bunde mit anderen Bedürftigen – das macht stark!
Für diese Auffassung stehen wir auch als Gemeinschaftsbund. Unsere zwölf Theologischen Grundsätze sind, genau betrachtet, eine Ansage an diesen „Geist des Selbermachens“ unserer Zeit. Kurz gesagt:
- Ich brauche Gottes Weisungen zum Leben.
- Ich brauche die Bedienanleitung des Lebens, die „Bibel“ .
- Ich brauche väterliche Geborgenheit.
- Ich brauche Erlösung von der Erdenschwere.
- Ich brauche einen Geist, der über meine Möglichkeiten hinausweist.
- Ich brauche eine Dynamik im Leben, die nicht von dieser Welt ist.
- Ich brauche einen Coach, der meine Liebe im Leben ständig weiter entwickelt.
- Ich brauche Kommunikation mit der Mitte unseres Daseins.
- Ich brauche Familie, wie Gott sie erdacht hat.
- Ich brauche verläßliche Gemeinschaft.
- Ich brauche genau den Gott, der Liebe in Christus offenbart
- Ich brauche ehrliche Worte um den Zustand des Menschen.

Wenn ich als Mensch und wir als Kirche so abhängig sind, ist das nicht eine Kapitulation? – Ja, das ist so.
Wir beugen unsere Knie vor dem Vater, der der Schöpfer und Erhalter des Lebens ist und suche aktiv die Verbindung mit ihm durch den Weinstock „Christus“. Die Abhängigkeit von diesem Lebensstrom – diese soll wachsen in uns. Wir nennen dieses Wachstum „Jüngerschaft“ – HIER finden Sie viele Tools für dieses Wachsen und Gedeihen unseres Glaubens. Warum betont das der Gemeinschaftsbund so? – Weil dieses „Brauchen“, dieser Blick auf die Kraft von oben unsere DNA ist. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt“ – dies ist der erste Satz (wie oben in der Schöpfungsgeschichte) – und danach folg der zweite: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Mt 22,38+39) – und der lädt dann zum „Machen“ ein.
