
Elke Mölle (Jg. 1966) hat als Autorin mit „Erfüllt – Entdecke das Leben, für das du gemacht bist“ “ eines der derzeit gefragtesten deutschen Bücher zum Thema „Jüngerschaft“ geschrieben – samt Hauskreismaterial. Sie gehört mit ihrem Dienst zum Team von „Kingdom Impact“ (siehe Bild unten), einer Lebens- und Dienstgemeinschaft mit Schulungs- und Trainingsauftrag und einem Gebetshaus. Vorträge und Kurzimpulse von Elke sind auch auf ihrem YouTube-Kanal „Erfüllt leben mit Elke Mölle“ und ihrem gleichnamigen Podcast zu finden. Als geistliche Trainerin und Coach ist es ihr erklärtes Ziel, dass Einzelne und Gruppen in ihre Berufung kommen. Das erlebten auch schon die Teilnehmer der Glaubenstage des GB Süd im Credo.
Sie nahm sich am 29.4.2026 für den GB eine Stunde Zeit, um über die Fragen von Alexandra Brenner und Steffen Klug ins Gespräch zu kommen.
Du warst ja im Gebetshaus in Augsburg. Du warst für den Aufbau für die Jüngerschaftsschule zuständig. Wie kam es denn da überhaupt dazu und mit welcher Motivation?
Wir haben in meinem Wohnort Augsburg 24-Stunden-Lobpreisprojekte angefangen – mich hat das immer schon fasziniert, dieses 24-7 Lobpreis und Gebet. Ich habe die Geschichte von Walter Heidenreich vor Augen, der in der Wüste Gobi mit seiner Band diese Bühne aufgebaut hat und dem Herrn ein Lobpreiskonzert gespielt hat und ich habe das gehört – und für mich hat das so Sinn gemacht. – das ist das Sinnvollste, was man tun kann, weil der Herr ist es so wert, dass er überall angebetet wird!

Und dann kam eben Johannes Hartl auf wundersame Weise nach Augsburg. Ich habe dann ab 2007 und 2008 bei einer Konferenz mit ihm gedolmetscht, denn mein ursprünglicher Beruf ist Übersetzerin für Englisch und Spanisch. Dabei hat der Herr sehr stark zu mir geredet: „Das ist dein Ort, dein neuer Einsatzort, da schließ dich an.“ Es begann mit Veranstaltungen im Wohnzimmer von Hartls, in einer kleinen Kapelle von der Pfarrei und im ersten Gebetsraum: Das war dieser kleine Elektroladen, den wir dann zusammen ausgeräumt und renoviert haben und dann eben angefangen haben, regelmäßige Sessions dort zu machen. Und da war ich dann schon ehrenamtlich dabei und bin dann ganz schnell auf 20 Stunden gekommen. Ich weiß, es war so – ich war so in meinem Element.
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang wird mein Name bei den anderen Völkern verehrt. Überall bringen sie mir Rauchopfer und reine Opfer dar. Denn mein Name wird von den Völkern verehrt«, spricht der allmächtige HERR. Mal 1,11
Johannes hatte von Anfang an auch immer die Vision: Es sollte ein Gebetshaus sein; aber ein Gebetshaus ist immer auch ein Ausbildungsort, also erstmal für Beter natürlich, dass man beten lernt durch beten. Und da bin ich dann mit eingestiegen und habe dann die Jüngerschaftschule übernommen, die wir „Incense“ genannt haben.. (= „Weihrauch“ der aufsteigt, also so wie in Maleachi 1. Ich war dann wie in meinem Element, also für mich war das Ganze easy, das zu übernehmen und das aufzubauen.
Ich bin ja zudem seit den 80er Jahren eng befreundet mit Monika Flach von „Kingdom Impact“. Und sie hat mich immer in Jüngerschaft genommen. Also, von ihr habe ich ganz viel gelernt. Sie war wie meine geistliche Begleiterin. Und immer wenn ich Fragen hatte, war sie mein Go-To. So war ich dann dort fest mit dabei – das war wie mein Trainingsbereich. Das, was ich von Monika gelernt habe, habe ich übernommen und das dann in der Incense gelehrt. Das war das, was mir mein Leben gerettet hat – sozusagen und meine Beziehung zu Jesus vertieft hat und mich stabil gemacht hat im Geist und auch als Mensch in der Seele. Und das habe ich dann eben weitergegeben. Vor der Zeit im Gebetshaus war ich einige Jahre uch schon angestellt im Jeremia-Werk. Damals war es schwerpunktmäßig ein Seelsorgewerk. Da habe ich sehr viel mitgenommen im seelsorgerlichen Bereich, was mir natürlich auch sehr geholfen hat dann bei der Jüngerschaftsschule .
Was bedeutet Jüngerschaft für dich persönlich?
Also Jüngerschaft ist eigentlich das ganz normale Leben von einem Menschen, der sich Christ nennt, also sollte es zumindest sein. Wenn ich mich in die Nachfolge begebe, dann komme ich ja unter die Autorität und Herrschaft von meinem König Jesus und dann übergebe ich ihm die Herrschaft über alles in meinem Leben. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist es etwas, was den wenigsten von uns klar ist bei der Bekehrung. Es geht ja immer um einen Herrschaftswechsel. Und das ist eben nicht damit getan, dass ich ein Gebet spreche und dann ist das alles fertig, sondern dann geht es ans Leben und dann wird es eben durchs Leben dann eintrainiert.
Jüngerschaft ist für mich Leben mit Jesus: ihn kennenlernen, Zeit mit ihm zu verbringen – und es geht immer um eine echte Beziehung.
Verschiedene Facetten dieser Jüngerschaftsbeziehung
Das ist das Interessante, finde ich, dass wir so haben: Wir haben die Vater-Tochter- oder Vater-Sohn-Beziehung und wir haben die Bräutigam-Braut-Beziehung und wir haben die Hirte-Schaf-Beziehung und lernen ihn da in diesen verschiedenen Facetten kennen. Und das braucht einfach unser ganzes Leben.
Und dann hat der Herr mir immer wieder Leute an die Seite gestellt, die mich dann weiter begleitet haben. Und das ist eben dieser Wachstumsprozess, dieses Mündigkeitstraining, wie ich das ja auch so oft sage in meinen Büchern. Denn der Herr möchte uns ja nicht klein und dumm halten, sondern möchte ein Gegenüber, ein echtes Gegenüber, eine echte Beziehung.
Und dazu müssen wir ihn besser kennenlernen und uns besser kennenlernen. Die Illusionen, die wir haben über uns müssen fallen, aber auch alles, was schräg ist an unserem Weltbild, unserem Gottesbild und unserem Selbstbild. Das sage ich immer, das sind die drei Bereiche, die in der Jüngerschaft fokussiert werden: Weltbild, Gottesbild und Selbstbild, weil das bei uns allen noch nicht 100% so ist, wie Gott die Dinge sieht.
Das heißt, wenn ich das jetzt so höre, dann besteht eigentlich für dich kein Unterschied zwischen Christsein und ein Jünger sein?
Genau, also ein Christ ist ein Jünger, das ist eigentlich das Gleiche. Und wenn jemand kein Jünger ist, ist er kein Christ. Jesus sagt ja zu Nikodemus, wenn du nicht von Neuem geboren bist, dann kannst du das Reich Gottes nicht sehen. Das heißt, wenn jemand von Neuem geboren ist, dann ist das für den ganz normal. Dann versteht er das, weil der Geist das versteht.
Und der Geist hat Hunger nach mehr von Jesus. Also wenn das nicht passiert ist, dann muss noch was nachvollzogen werden.
Was muss denn dann die Gemeinde tun, dass wenn jemand zum Glauben kommt und die Sehnsucht entwickelt, reicht es dann ein einfacher Gottesdienst, der Hauskreis? Und was muss dann kommen?
Also ich glaube schon, dass auch im Gottesdienst und im Hauskreis Jüngerschaft passiert. Denn es geht ja immer darum, Gott zu begegnen und zu lernen und das Wort zu lesen. Also eigentlich müsste man den jungen Babychristen sozusagen an die Hand nehmen und die Wachstumsstufen, von denen Petrus und Johannes sprechen, durchlaufen: Kindheitsstufe, Jünglingsstufe und Vaterstufe.

Im Hauskreis, wenn es gut läuft, könnte man schon auch Jüngerschaftsprogramme machen. Es wäre halt cool, wenn man Hauskreisleiter hätte, die selber Jünger sind und dann die anderen mit hineinnehmen können in ihre Beziehung mit Jesus und sie an der Hand nehmen können.
Und das ist einfach gut, geistliche Familie macht schon ganz viel an Jüngerschaft aus. Da würde ich viel Wert legen auf die Ausbildung der Hauskreisleiter – dass man ihnen Material an die Hand gibt, wie zum Beispiel jetzt das „Erfüllt“-Buch“ mit dem Kleingruppenmaterial. Das läßt sich einfach umsetzen, weil der Hauskreisleiter nicht für den Inhalt zuständig ist.
Und da ist auch unsere geistliche Familie: Da habe ich meine Freunde, da werde ich ausgebildet, da werde ich trainiert, da werde ich auch begleitet in meinen Lebensphasen. Jemanden, der einfach mit mir Leben teilt und mich teilhaben lässt an seinen Durchbrüchen und an seinem Versagen. Denn: Jüngerschaft passiert im Alltag durch Lebenssituationen. Jüngerschaft ist, wie du im Alltag mit Jesus lebst und wie du lernst, in jeder Situation ganz unverschämt immer Jesus und sein ganzes Königreich mit ins Spiel zu bringen (Frei nach Monika Flach).
Was denkst du, wenn du jetzt heute so in die Jüngerschaftslandschaft guckst, was sind die größten Hindernisse?
Ich glaube, die Hindernisse sind oft, dass Leute vielleicht sich schwer tun mit Belehrbarkeit. Zu mir kommen auch Leute, denen es richtig schlecht geht, aber die nehmen keine Hilfe an, keinen Rat an und wissen alles besser, wollen eigentlich nur, dass jemand ihnen sagt, du bist so ein armes Schätzchen.
Ein weiteres Hindernis, besonders in der neuen „Generation Z“: Da erlebe ich schon auch viel Unverbindlichkeit, weil man nicht so gerne sich festlegen möchte.
In meinem neuen Buch habe ich geschrieben, dass Jesus gar nicht daran interessiert war, möglichst viele Follower zu haben, sondern hat sogar die Latte extra hochgehängt, damit ganz viele durchs Raster fallen und sagen; „Nee, das ist mir zu viel, das ist mir zu schwer.“ Also ich glaube nicht, dass es unsere Verantwortung ist, Leute dazu zu bringen, dass sie in so eine verbindliche Beziehung reingehen. Aber ich glaube, wir sollten es anbieten.
Wie ist es aber mit verbindlichem gegenseitigen Rechenschaft-Geben, das in der Erweckungszeit von John Wesley zum Wachstum des Reiches Gottes geführt hat?
Ich würde Rechenschaft eher ersetzen mit dem Wort „ein offenes, weiches Herz haben“, wo jemand reinsprechen darf, wo ich nicht das Gefühl habe, das ist hier mein Chef. Also nicht so eine Hierarchie von oben nach unten, sondern eher Augenhöhe und wo ich einen Safe Place habe, wo ich sagen kann, hey, ich habe es verkackt. Also ich erlebe halt Gott so, dass er unendlich geduldig ist und dass es die Güte Gottes ist, die uns zur Umkehr treibt und nicht die Härte oder die Strenge oder der Frust – oder was auch immer. Wenn jemand freiwillig zu mir kommt und sagt: „Ich möchte gerne Rechenschaft ablegen“ finde ich es super, finde ich es richtig gut.

Wenn die Leute z.B. meine „Leichtigkeitsreise“ machen, dann will ich auch Rechenschaft haben. Was hast du gegessen? Klar, logisch.
Also: Ich wünsche mir, dass wir wieder in diese Zeiten kommen, dass das für uns alle normal ist. dass wir so in der Furcht des Herrn leben miteinander. Ich glaube, dass wenn wir stärker in Erweckung reingehen, ist das auch so, dass wir sagen, hey, wir bekennen jetzt erstmal voreinander unsere Sünden. Also das ist immer für mich ein Anzeichen von Erweckung, wenn das passiert, weil das Licht so hell ist und das sieht man auch bei allen Erweckungsgeschichten, dass es so ist.
Wir hören in dem Zusammenhang immer wieder das Wort „Bejüngern“. Aber das „Bejüngern“ von anderen ist kein schönes deutsches Wort. Vielleicht hast du da ein schöneres Wort?
Aber dieses „Machet zu Jüngern“, das lässt sich halt in Deutschland so schlecht übersetzen. Es passiert aber: Begeisterte Menschen wollen das weitergeben – und das ist dann „Zum Jünger machen“! Beispiel: Das merke ich an den Verkaufszahlen von meinem Erfüllt-Buch. Das ist ein Dauerbrenner, das ist ja schon etwa in der vierten Auflage – das läuft weiter. Also die Leute, die es lesen, die sind begeistert, die sagen, hey, lass uns das im Hauskreis machen und schenken das weiter und so weiter. Insofern ist das ja tatsächlich auch eine Art von Bejüngerung .
Ja, dann hast du uns ja schon gesagt, dass du auch in deiner Jüngerschaft begleitet worden bist.
Ja, und immer noch werde. Das ist halt jetzt vielleicht mehr so eine Art Peer-Coaching. Wir treffen uns einmal im Monat mit Leuten von Kingdom Impact, Highway Ministries, Arise Mike und Kay Chance und ich. Wir haben so eine Art Hauskreis einmal im Monat, wo wir austauschen, beten, auch füreinander beten und so weiter. Das ist sehr, sehr kostbar für mich. Wo es auch an die Substanz geht. Also wo auch mal kritische Rückfragen gestellt werden können, wo auch mal ein Tränchen fließen darf.

Dein neues Buch: Ich habe es jetzt im Gebetshaus in Augsburg mitgenommen. Im Klappentext gibst du das Ziel an, leben zu lernen aus der unerschöpflichen Versorgung des Himmels, auszubrechen aus allen Limits. Was sind denn da für dich solche Hemmnisse?

Also das ist eben für jeden etwas anderes. Solche Basic-Sachen, die uns in Gefangenschaften halten; limitierende Glaubenssätze, wo wir einfach Hoffnungslosigkeit in unserem Leben haben. Und wo wir denken, es wird sich nie verändern.
Das ist ja letztendlich ein Hinweis darauf, dass wir eine Gedankenfestung haben und die können wir ja dann auch angehen. Aber wir sind ja nie ausgeliefert. Da ist nichts in Stein gemeißelt, da kann sich alles verändern: Durch Metanoia, Umdenken, Umkehren, wir können uns in ein neues Weltbild Schritt für Schritt hineinleben, indem wir festhalten am Wort des Vaters
Wir dürfen lernen, mit der unsichtbaren Welt des Reiches Gottes zu kooperieren und nicht nur im Sichtbaren gefangen zu sein. Wir sollten nicht darauf reduziert sein, nur mit menschlichen Möglichkeiten diese Situation zu lösen, sondern dass wir einfach den Himmel mit ins Spiel bringen und den König und seine unlimitierten Möglichkeiten.
Deswegen liebe ich das Lied auch so sehr von Timo Langner, »Ein Gott, der das Meer teilt«. Unmöglich ist keine Option.
Was hat dich im Thema Jüngerschaft am meisten überrascht?
Ich glaube, dass mich am meisten überrascht hat, dass es mehr darum geht, Sachen einzuüben und und sich dadurch in eine neue Denkweise hineinzuleben, als erst auf die neue Denkweise zu setzen: Also da habe ich ganz viele neue Schätze entdeckt. Dass es so wichtig ist, neue Gewohnheiten in kleinen Schritten einzuüben – und das auch im geistlichen Bereich. Da funktioniert es genauso, weil Gott uns so konstruiert hat, dass wir neue Gewohnheiten uns einüben können – in 66 Tagen mit kleinen Schritten und dann wird etwas wie auch umgeschrieben im Gehirn. Und so passiert Wachstum.
Und da habe ich auch sehr von John Mark Comer profitiert, der auch immer so drauf besteht, dass es mehr ums Einüben geht, als um Selbstdisziplin oder Kraftakte, die wir irgendwie vollbringen: Die neue Denkweise passiert durch die neuen Schritte, die wir tun. Und so ähnlich haben wir ja auch letztendlich alles eingeübt im Leben. Zähneputzen, wie lange hat das gedauert, bis meine Kinder sich die Zähne geputzt haben, ohne dass sie daran erinnern mussten. Und das ist aber jetzt drin, also das vergessen sie jetzt nimmer. Ich auch nicht. Es hat mich am meisten überrascht, dass es eigentlich nicht so schwierig ist und es ist gar nicht so sehr meine Willenskraft, meine Selbstdisziplin ist, sondern die kleinen Schritte, die neue Gewohnheiten einzutrainieren.
Gehört das für dich auch dazu, sich mit dem Leben immer wieder in die Gegenwart Gottes hinein zu begeben?
Also genau, das ist das Zentrum, das ist 100 Prozent, das ist das Allerwichtigste, genau das, das einzuüben, Gottes Gegenwart einzuüben. Und das ist der Schlüssel für alles andere. Johannes 15: Rebe und Weinstock bleiben in Jesus – und die Frucht kommt automatisch dazu.
Und deswegen empfinde ich das alles eigentlich auch so leicht, weil es nicht auf meinen Schultern liegt, sondern auf seinen. Und ich klinke mich einfach ein und ich bleibe nah bei ihm. Ich schaue, dass ich verbunden bin, dass ich diese Gegenwart Gottes… einübe, dass ich mich da drin bewege die ganze Zeit und nie mehr allein bin. Und das bringt eine wahnsinnige Veränderung. Ja, ja, ja.
An welchem Projekt bist du gerade dran? Dürfen wir fragen, in welche Herausforderungen du stehst?- Wofür wir auch beten können? Wird es das Buch „Leichtigkeitsreise“ über das Schlankwerden sein?
Das ist jetzt noch nicht dran. Dieses Jahr schreibe ich ein Andachtsbuch über „Erfüllt“. Für jeden der 365 Tage. Ich habe festgestellt, dass es doch relativ viele Seiten sind, die man füllen muss. Aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit.
Auch in der Familie gibt es Herausforderungen [Elke hat uns genannt, was ihre Seele gerade sehr bewegt]. Da ist es gut, wenn Ihr auch für mich mit eintretet. Danke für eure Gebete.
