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Es mag viele Ursachen haben, warum der über Jahrhunderte erfolgreich gepflegte Wert der „Familie“ in unseren Breiten derzeit an Bedeutung verliert. Hier seien einige genannt – über die Kommentarfunktion können gerne andere hinzugefügt werden:
Selbstverwirklichung
Es gibt eine Tendenz, das eigene Wohlergehen zum Maß aller Dinge zu machen. Entsprechend wird die Familienplanung oft reduziert, denn wenn ich mich für Kinder entscheide, werde ich in den eigenen Wahl- und Entwicklungsmöglichkeiten und der Entfaltung meiner Persönlichkeit und Begabungen begrenzt. Warum das Gebären und Aufziehen von Kindern so selten als diese (vielleicht beste) Selbst-Verwirklichung dient, bleibt eine offene Frage.
Schmerzvermeidung
Wir leben in einer Zeit, wo Medizin und andere Wissenschaften das Ziel angeben, möglichst Schmerzen im Leben zu vermeiden. So ergibt sich für die Seele von uns Menschen der Wunsch, möglichst schmerzarm durch das Leben zu gehen. Dieses Wohlstandsphänomen ist ein beträchtlich wirksamer Zeitgeist, der leider manche auch davon abhält, Kinder zu bekommen. Bei dieser Aktion sind Schmerzen vorprogrammiert: Angefangen vom Bangen in der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zur Erziehung in der Pubertät. Auch der mögliche Schmerz, das Kinderkriegen zu probieren und dann vielleicht enttäuscht als verwaiste Eltern durch das Leben zu gehen, mag manchem von diesem Projekt abhalten.
Finanzen & Freiheit
Ohne Kinder lassen sich Haus und andere Annehmlichkeiten wesentlich einfacher finanzieren und kalkulieren. Einmal einen großen Kredit aufgenommen – und schon ist die Erwerbsarbeit für beide Partner oftmals zwingend nötig, um das Haus nicht wieder zu verlieren. Die Aufnahme eines solchen Kredites und der Wunsch nach einem eigenen Haus sind nicht leicht kompatibel mit dem Versorgen einer Kinderschar.
Zudem lassen sich Unternehmungen mit Geld und ohne Rücksicht auf (Enkel)kinder viel einfacher planen. Familie zu gründen – das ist ein 30-Jahres-Projekt. Und darüber möglicherweise noch weit hinaus.
Der Staat übernimmt Funktionen der Familie und die Industrie die Arbeitskraft von Eheleuten
Der Druck in der Wirtschaft, Fachkräfte zu bekommen, ist riesengroß. Deshalb wird daraufhin gearbeitet, beide Ehepartner möglichst durchgängig zu beschäftigen – mit nur kleinen Pausen für die Zeit vor und nach der Geburt. Dieser gesellschaftliche Druck bildet sich dann auch in staatlichen Hilfsaktionen aus – wie z.B. Bereitstellung Kinderkrippe, Ganztagsschule, Pflegeheime. Irgend jemand wird schon (oder muss doch!) die Fürsorge in schwierigeren Zeiten übernehmen, damit ich ungestört im Arbeitsprozess (gewesen) sein kann.
Auf die Spitze wird diese Tendenz übrigens getrieben, wenn Firmen Leihmutterschaft empfehlen (USA) oder das Einfrieren für Eizellen für „später“ finanzieren.
Ideologische Einflüsse
Karl Marx schrieb, die Familie müsse zerstört werden. Sie ist (fast immer) ein Hort des Konservativen mit wenig Neigung zu Revolution. Andere sorgen sich um den ökologischen Fussabdruck, wenn zu viele Menschen auf dieser Erde sind. Manche Paare sind auch durch Panik-Influenzer so stark verunsichert, ob man überhaupt Kinder in die Welt setzen kann.
Je mehr der Wert der Familie durch solche und andere Denkweisen in Frage gestellt wird, umso mehr stellen sich manche Paare auch die Frage, ob sie mit „zu vielen“ Kindern nicht auffallen in der Gesellschaft – und vielleicht in irgendeinem Hotel mit Kindern keinen Platz mehr bekommen. Übrigens ist auch dies ein Wohlstandsphänomen: „Ich will meine Ruhe haben“.
