Papst Leo XIV. hielt am 9.1.2025 eine Neujahrsansprache (HIER auf deutsch) – nicht vorrangig vor kirchlichem Publikum, sondern vor Diplomaten. Er sandte damit eine christliche Botschaft quasi mit einem Megaphon in die heutige politische Welt hinein. Diese durchaus mutige Rede entfaltete sich in mehreren Passagen als Gegenkultur des Evangeliums gegenüber der entstandenen Kultur in vielen westlichen Staaten.
Für mich leuchtet ein Abschnitt zum Thema „Familie“ auf, der so beginnt und damit den früheren Papst Franziskus zitiert: „Außerdem ist der Mensch aus christlicher Sicht nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen: Den Menschen, »den er aus Liebe ins Dasein gerufen hat, berief er gleichzeitig zur Liebe«. Diese Berufung kommt in besonderer und einzigartiger Weise innerhalb der Familie zum Ausdruck.“ In der Familie „lernt man zu lieben und entwickelt die Fähigkeit, sich in den Dienst des Lebens zu stellen“.
Aus Familien heraus kommt die Liebe Gottes in die Welt – so wird Kirche auch letztlich deutlich missionarisch.
Der Papst benennt dann zwei Problemfelder für das Modell Familie: Von außen her gibt es die Tendenz, „ihre grundlegende soziale Rolle zu vernachlässigen und zu unterschätzen“ – was „Familie“ zu einem Randthema macht. Von innen her gibt es zunehmend „zerrüttete“ Familien, die leider bis hin zu häuslicher Gewalt leiden.
Daraus leitet der Papst einen Aufruf ab, der das Familienmodell der Bibel als Vater-Mutter-KinderBeziehung vor die Weltöffentlichkeit stellt:
„Die Berufung zur Liebe und zum Leben, die sich in herausragender Weise in der ausschließlichen und unauflöslichen Verbindung zwischen Frau und Mann zeigt, erfordert eine grundlegende ethische Verpflichtung: Familien in die Lage zu versetzen, werdendes Leben anzunehmen und sich umfassend um es zu kümmern.“
Im Anschluss teilt er mit uns seine Besorgnis gegenüber Praktiken, die Familie gefährden: „In Anbetracht dieser tiefgründigen Anschauung vom Leben als einem Geschenk, das es zu bewahren gilt, und von der Familie als seiner verantwortlichen Hüterin, ergibt sich die kategorische Ablehnung von Praktiken, die den Ursprung des Lebens und seine Entwicklung verhindert oder instrumentalisieren.“ Konkret entfaltet er dann den Kampf gegen Abtreibung, Leihmutterschaft, Vergessen der Einsamen und Alten, Drogenmissbrauch und soziales Abhängen von „schwierigen“ Jugendlichen. Er fasst diese Passage mit den Worten zusammen:
Angesichts solcher Herausforderungen muss nachdrücklich betont werden, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet. Eine Gesellschaft ist nur dann gesund und fortgeschritten, wenn sie die Heiligkeit des menschlichen Lebens schützt und sich aktiv für dessen Förderung einsetzt.
In diesem Zusammenhang müssen auch diejenigen Christinnen und Christen erwähnt werden, die sich für diese Werte einsetzen – aber deren Meinung nicht gelitten und manchmal verfolgt wird: So schreibt er zur Rede- und Meinungsfreiheit: „Es ist daher bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem (1) Beigeschmack entwickelt …Aus dieser Fehlentwicklung ergeben sich leider weitere, die dazu führen, dass die Grundrechte des Menschen beschnitten werden, angefangen bei der Gewissensfreiheit.“ Der Papst zieht diese Freiheit dann bis zur Religionsfreiheit aus, die „das erste aller Menschenrechte ist“, denn die Einschränkung dieser Art der Gewissensfreiheit ist bereits jetzt ein ernsthaftes Problem: „Die neuesten Daten zeigen, dass Verstöße gegen die Religionsfreiheit zunehmen und dass 64 % der Weltbevölkerung schwerwiegende Verletzungen dieses Rechts erleiden.“
Gegen Ende dieser längeren Ansprache, die auch viele andere Themen enthält, appelliert das Oberhaupt noch einmal an seine Gäste, sich für Frieden einzusetzen. Und wie vorher gelesen: Von Familien gehen Impulse „der Liebe und des Lebens“ aus – das sind Impulse für den Frieden. Für mich gehen von diesen Worten Kraft des Heiligen Geistes aus- vielleicht empfinden Sie das ebenso:
„Sehr geehrte Botschafterinnen und Botschafter, trotz des dramatischen Bildes, das sich unseren Augen bietet, bleibt der Friede ein schwer zu erreichendes, aber dennoch mögliches Gut. Er ist, wie Augustinus sagt, unser »Endgut«, weil er das eigentliche Ziel der Stadt Gottes ist, nach dem wir, wenn auch unbewusst, streben und dessen Vorgeschmack wir in der irdischen Stadt kosten können. Während unserer Pilgerschaft auf dieser Erde erfordert Frieden zu stiften Demut und Mut: die Demut der Wahrheit und den Mut der Vergebung.“
(1) Papst Leo XIV beschreibt diese Sprache als eine, „die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.“ Mehr dazu auch in diesem Artikel auf Wikipedia.
