Was hat eine Schonung mit „Konservativ“ zu tun?
Wenn Christen als „konservativ“ eingestuft werden, dann gibt es ganz unterschiedliche Reaktionen: Die einen fühlen sich mit diesem Attribut als ehrbare Menschen, die gerne als Bewahrer gelten – andere hingegen empfinden es beinahe als Schimpfwort und fühlen sich auf die Seite der „Ewig Gestrigen“ gestellt.
Jüngst wurde der Würzburger Historiker Prof. Peter Hoeres gefragt, wie er „konservativ“ beschreiben würde. Seine überraschende Antwort nach langer Forschungszeit auf diesem Gebiet: Ein konservativer Mensch ist ein „traditionsschonender“ Zeitgenosse. VIele sind gut dabei, die Umwelt und die Ressourcen zu schonen – das Wort „schonen“ vermittelt schon einen wohltuenden Eindruck – oder meinen Sie nicht?
Wir also als konservative Christen gehen schonend mit den Traditionen um; mit dem, was uns von den Vätern und Müttern als Schatz der Weisheit mitgegeben wurde – und letztlich auch in der Bibel niedergeschrieben wurde. Wenn man uns auf diese Weise betrachtet, können wir uns doch getrost als „Konservative“ bezeichnen – oder?
Schauen wir auf Paulus: Auch er war in diesem Sinne konservativ, wenn er uns im bekannten Vers 2.Tim 3,16 mitgibt:
Die ganze Schrift ist von Gottes Geist eingegeben
Sie kann uns lehren, was wahr ist.
Sie kann uns erkennen lassen, wo Schuld in unserem Leben ist.
Sie weist uns zurecht .
Sie erzieht uns dazu, Gottes Willen zu tun.
Blickt man auf den Lebenslauf des Paulus, würde man ihn eher für einen Revolutionär als einen traditionsschonenden Konservativen halten. Trotz seiner beeindruckend umstürzlerischen Lehre von der „Freiheit vom Gesetz“ ermahnt er hier, das Gute der Tradition zu behalten und damit für das Leben eigene Schlüsse zu ziehen. Paulus ist somit ein gutes Beispiel für einen Konservativen, der nicht pauschal sagt: „Alles war früher besser“ (Pls würde wohl eher sagen: „Vieles war früher schlechter als jetzt bei Christus“). Nein, der Geist Gottes hat ihn geleitet, die Tradition wert zu schätzen und dennoch Neues daraus wachsen zu lassen.

Wenn wir Konservativen also zum Beispiel sagen: „Gott schuf den Menschen als Mann und Frau“ (1.Mose 1,27 und Mt 19,4) – dann schonen wir damit die Schöpfungsordnung Gottes vor Beschädigung – und die Institution „Familie“ vor abenteuerlichen Infragestellungen. Gleichzeitig gibt uns aber auch unsere konservative Haltung den Auftrag, diese alte Botschaft immer wieder modern in unsere Gesellschaft einzubringen. So kann altes Erbgut in neuem Gewand wachsen und vielleicht ganz neue Facetten dieses binären Ansatzes entdecken lassen. So wie Paulus aus vielen alttestamentlichen Aussagen zeitgemäße Schlüsse gezogen hat. So wie (ausgerechnet) in einer Schonung das gewohnte Erbgut zu ganz neuen Individuen heranwachsen kann, ohne dabei gestört zu werden.
Fassen wir zusammen: Eine Schonung – das ist Wahrung der Tradition und gleichzeitig ihre Erneuerung!
Für das Jahr 2026 wünsche ich uns, dass wir es genießen, den Schatz der Tradition zu haben – und mit ihm kreativ den Menschen zu dienen!
Pastor Steffen Klug.
Quellen:
Eine „Politisches Feuilleton“ des Deutschlandradio von 2013 und ein Interview mit dem Kontrafunk von 2025
