Geistlicher Wachstumsweg „Thrive“ ist gelebte Gnade!

Eine knappe (nicht nur) theologische Grundlegung zur Heiligung

Wer das methodistische Standardwerk „Gelebte Gnade“[1] von Klaiber/Marquardt unter Kapitel 3: „Persönlicher Glaube oder die Heilserfahrung des einzelnen“ aufschlägt, wird fündig: „Gottes Gnade geht allem menschlichen Mühen und Tun voraus“. Und: „Gerade dadurch aber werden die Menschen zum eigenen Antworten auf Gottes Ruf bereit.“[2]

Wie die zwei Mittelpunkte einer Ellipse, bleiben diese beiden Zirkeleinstiche grundlegend für unseren persönlichen Glauben. Und weil doppelt genäht besser hält: Allein Gott machte sich auf, um Menschen aus ihrer Verlorenheit zu befreien. Oh ja, sage ich! Und: Aus dieser Verlorenheit befreit, geben Menschen ihrem Gott Antwort darauf, indem sie ihm nachfolgen und dadurch ermutigt sind, „hin zu dem wachsen zu wollen in allen Stücken, …der das Haupt ist, Christus.“ (Eph. 4,15). So soll es sein, juble ich!

Ein knapper biblischer Durchgang bestätigt diesen Befund:

Der alttestamentliche Ruf, heilig zu sein, das heißt, nach Gottes Willen zu leben, zielt zwar auf menschliches Handeln, wird aber zurecht mit dem Hinweis auf Gottes rettendes Handeln begründet. Zuerst hat er sein Volk in seine Gemeinschaft aufgenommen, bevor es selber etwas dafür tun konnte.

Wenn Jesus im Vaterunser lehrt, um die Heiligung des Namens Gottes zu bitten, kommt damit das von ihm selbst gesammelte Volk in den Blick, das durch den Heiligen Geist geleitet wird und in der Folge in der Heiligung lebt.

Ebenso finden sich in breiter Bezeugung bei Paulus die bereits bekannten Einstiche des Zirkels.[3] Einerseits stuft er die Heiligung nicht als ein Werk des Menschen ein, das dieser aus sich heraus zu vollbringen in der Lage wäre. Er betont, dass die Heiligung ein Werk des Heiligen Geistes ist. Andererseits lässt dies den Menschen nicht passiv, vielmehr ist der Mensch aufgefordert, seinerseits in das Handeln Jesu einzustimmen. Heiligung ist für Paulus ein grundlegender Bestandteil des Lebens im Glauben. Für ihn steht die Gemeinde in einem fortdauernden Wachstumsprozess. Einerseits hat Christus die Gemeinde bereits gereinigt durch das „Wasserbad im Wort“ und alle Schuld von ihr abgewaschen. Andererseits will er sie als heilig und untadelig vor sich hinstellen (Eph. 5,26–27).

Auch im Hebräerbrief heiligt sich Christus für sein Volk und ermöglicht so das Geschenk des Geistes. Die dadurch geheiligte Gemeinde steht fortan unter der Forderung, der Heiligung »nachzujagen« (Hebr. 12,14), um an der Heiligkeit Gottes Anteil zu haben (Hebr. 12,10).

Rechtfertigung und Heiligung sind auch bei Wesley wunderbar vereinbar, wenn er erklärt: Rechtfertigung „schließt in sich, was Gott durch seinen Sohn für uns tut“, Heiligung, „was er durch seinen Geist in uns wirkt.“[4]

In theologischer Verdichtung fasst Udo Schnelle zusammen: „Aus dem Status des Einbezogenseins in die Heiligkeit Gottes erwächst die Verpflichtung zu einem neuen Handeln. Der empfangenen Heiligung in der Taufe entspricht die Heiligung des Lebens durch die Kraft des Hl. Geistes.“[5]

Dieser knappe biblische Durchgang beschreibt für den Bereich „Thrive – geschaffen zum Wachsen“ die Kooperation zwischen Gottes Tun und unserer Tat. Beides verschränkt sich ineinander. Beides gehört zusammen. Beides bedingt einander. „Thrive – Gedeihen mit …“, heißt damit gerade nicht: Ich muss alles selbst hinbringen! Es heißt auch nicht: Wachsen wird mir einfach nur zufallen. „Thrive – Gedeihen mit …“  ist Gottes Wille, geht „Hand in Hand“ mit Jesus, ist Inspiration des Heiligen Geistes und mein tatkräftiges „Hand anlegen“ zugleich.


[1] Walter Klaiber und Manfred Marquardt; 1993 [2] S. 250 [3] Zu folgendem: Hanna Stettler: „Heiligung bei Paulus“ WUNT 368; 2014 [4] Zitiert bei Klaiber/Marquardt; S.251 [5] Podella, T., Schnelle, U. and Marquardt, M., “Heiligung”, in: Religion in Geschichte und Gegenwart. Online abgerufen am 10 November 2023 http://dx.doi.org.ezproxy.hlb-wuppertal.de/10.1163/2405-8262_rgg4_COM_09520

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