Nach zwei Jahren Corona: WACHET!

Von Diana Wolff, Pastorin der EmK Sehmatal im Erzgebirge

(Bild oben: Birgit Corsèl, Braunfels)

„Wachet!“ – aus diesem einzigen Wort bestand die Monatslosung im März vor zwei Jahren. Nein, es war nicht der bekannte Aufruf „Wachet und Betet“ aus dem Garten Getsemane vor Jesu Kreuzigung und Tod. Diese Aufforderung „Wachet!“ aus Markus 13,37 steht in Verbindung mit Jesu Kommen und dem nicht vorhersehbaren Zeitpunkt. Sie erinnert uns daran, dass wir letztlich nicht wissen und nicht in der Hand haben, was morgen kommt und sein wird.

Ich hatte damals vor zwei Jahren gerade noch eine Andacht für den aktuellen Gemeindebrief geschrieben: Fertig gedruckt lag er von uns mit all den geplanten Terminen für die nächsten Monate. Doch kurz darauf waren alle Termine gestrichen und die Kirchen für mehrere Wochen geschlossen, und ebenso Schulen und Kitas, viele Läden und Arbeitsplätze, Sportvereine und Chöre, …
Plötzlich war nicht mehr klar, was morgen kommt.

Das ist nun zwei Jahre her, und in diesen beiden Jahren musste ich immer wieder an dieses „Wachet!“ denken: Ich musste daran denken, wenn mir Menschen erzählten, wie einsam sie sich nun fühlen, oder wenn Trauernde sich nicht am Sterbebett verabschieden durften, oder wenn Familien oder Unternehmer am Ende ihrer Kräfte waren. Ich musste daran denken, wenn ich in enttäuschte Kindergesichter sah, weil wieder etwas abgesagt wurde, oder wenn ich den Frust bei Vereinen merkte, weil sie hofften und dann doch alles ausfallen musste.
Aber am meisten musste ich an dieses „Wachet!“ denken, wenn ich hörte, dass die Impf- oder Maskenfrage Familien und Freundschaften entzweite, wenn ich spürte, wie wenig Verständnis für die Ansichten der „anderen“ noch da war und wie dies zu gegenseitigen Verletzungen führte, und wenn ich sah, welche Spalten und Risse dabei gar in Kirchgemeinden entstanden.

Ja, die letzten zwei Jahre haben unser Miteinander beeinflusst und verändert. Und an mancher Stelle, wo Menschen gerade erst neu dazu gekommen waren, haben sie das Miteinander oft erst gar nicht richtig entstehen lassen.

Zwei Jahre später enthielt die Monatslosung von März nun wieder den Ratschlag „wachsam zu sein“: „Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.“ (Epheser 6,18)

Der Ratschlag „seid wachsam“ ist eingebettet in die Aufforderung zu beten, sich Jesus zuzuwenden,  und füreinander im Gebet einzustehen: wie z.B. gerade jetzt für die Situation in der Ukraine, oder für die Nöte der vielen Flüchtlinge und verfolgten Christen weltweit, aber auch für die Sorgen und Herausforderung der eigenen Gemeindegeschwister vor Ort. Eingebettet sind diese Worte zudem in der Beschreibung einer „Waffenrüstung“, die uns stärken soll für die Herausforderungen der Zeit: Dabei ist auch von „beschuhten Füßen“ die Rede – Schuhe an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens:

„Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen ⟨bleiben⟩ könnt! So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft ⟨zur Verkündigung⟩ des Evangeliums des Friedens!  (Eph 6,13-15; Elberfelder Übersetzung)

Und genau diese Schuhe des Friedens wünsche ich uns, wenn ich auf manche Spalten, Verletzungen und zwischenmenschliche Risse der letzten beiden Jahre schaue. Ja, ich wünsche uns einen wachsamen Blick und Schuhe des Evangeliums des Friedens:

Schuhe, die uns bestärken, aufeinander zu zugehen,
Schuhe, die uns einladen, uns auch mal gedanklich in die Schuhe der anderen zu stellen,
Schuhe, die uns innehalten und auf Jesus sehen lassen,
Schuhe, die uns zeigen, wo wir vielleicht verletzt haben oder verletzt worden sind;
Schuhe die uns Mut schenken, über Gräben zu springen und zu vergeben,
Schuhe die uns helfen, unsere Schritte wachsam zu gehen.

(Dieser Beitrag erschien zuerst in der Lokalzeitung „Freie Presse“)

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