Mein Bibelverständnis im XXS-Format

Pastor Albrecht Weißbach aus dem Gemeinschaftsbund wurde von einem Kollegen gebeten, sehr kurz sein Bibelverständnis zu beschreiben. Das hat er mit den untenstehenden Sätzen getan. Da sie helfen, den Standpunkt des Gemeinschaftsbundes zu beschreiben, besonders die ersten der Theologischen Grundsätze, geben wir sie hier weiter:

1. Die Bibel ist frisches Quellwasser für meine Seele. Ich halte mich nicht auf mit labortechnischen Untersuchungen von Mineralgehalt, Schwebstoffen oder bakteriellen Verunreinigungen – ich trinke.
2. Da die Bibel Offenbarungsqualität hat, bemühe ich mich um eine christologische Weltanschauung, die dem Offenbarungshandeln Gottes angemessen ist. Das heißt:
* Kreuz und Auferstehung Jesu mit ihren heilsgeschichtlichen Implikationen (1.Kor 15,1-8) sind das erste Axiom meiner Weltanschauung.
* Präexistenz Jesu, Geburt und Wiederkunft entsprechend dem Christushymnus in Philipper 2,6-11 schließen sich an.
* Die Wundertaten Gottes und sein verschiedenartiges Reden zu Menschen finden folglich auch einen festen Platz in diesem Weltbild.
Die mathematisch mögliche Vorstellung einer 4. und 5. Dimension hilft mir, unser rationalistisch verengtes Mainstream-Weltbild in dieser Weise
aufzuweiten.
3. Ich liebe Luthers Ausspruch: „Es ist mit Gottes Wort nicht zu spaßen. Kannst du es nicht verstehen, so ziehe den Hut davor!“

Das sind nun freilich mehr als 3 grammatikalische Sätze, aber so ziemlich die Quintessenz meines Bibelverständnisses.

9 Kommentare zu „Mein Bibelverständnis im XXS-Format“

  1. Dr. Sieghard Dienlin

    Sehr geehrter Herr Weißbach,
    ich habe erfahren, dass Sie Ihr pastorales Amt verlassen haben und somit nicht mehr Pastor sind. Sie dürfen daher auch nicht Pastor genannt werden und als solcher auftreten.
    Die Mathematik, die Wissenschaften und der Glaube an Gott sind völlig distinkte Gebiete. Sie stellen unterschiedliche Fragen und können sich weder gegenseitig widerlegen noch bestätigen.
    Ein Christ, so wie ich, kann daher ohne Probleme Mathematik, Naturwissenschaft und Theologie gemeinsam betreiben.
    Der Begriff Axiom ist ein mathematischer und bezeichnet nicht beweisbare aber intuitiv wahre Aussagen, von denen ausgehend weitere mathematische Sätze bewiesen oder falsifiziert werden. Der Begriff Axiom kann beim Bibelverständnis nicht weiterhelfen.
    Der Begriff der Dimension, so wie Sie ihn hier verwenden, wird in unterschiedlicher Definition in Mathematik und Physik verwandt und kann ebenfalls einem Bibelverständnis nicht helfen.
    Die Frage, wie Sie die Bibel verstehen, lesen und welche Brille Sie dabei aufhaben, haben Sie nicht beantwortet.
    Daher erlaube ich mir Ihnen folgende Fragen zu stellen:
    Verstehen Sie die Bibel wörtlich?
    Ist die Bibel widerspruchsfrei?
    Ist die Bibel vereinbar mit der Evolutionstheorie?

    1. Albrecht Weißbach

      Sehr geehrter Herr Dr. Dienlin,
      bezüglich meines Pastorenstatus sind Sie leider falsch informiert. Da im Jahr 2019 der Kirchenvorstand der EMK den Beschluss der außerordentlichen GK abgelehnt hat und sich eine Veränderung der Kirchenordnung in Richtung „Ehe für alle“ auf die Fahnen geschrieben hat, habe ich den aktiven Pastorendienst nach 38 Jahren verlassen. Die Konferenz hat zunächst mit 100% meine Unbescholtenheit festgestellt und anschließend meinem Antrag auf ehrenhafte Lokalisierung stattgegeben. Ich bin also nach wie vor Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche, auch wenn ich keine Dienstbezüge erhalte.
      Zu Ihrer Anfrage bezüglich Bibelverständnis muss ich mich doch wundern: Einerseits stellen Sie die These auf: „Die Mathematik, die Wissenschaften und der Glaube an Gott sind völlig distinkte Gebiete. Sie stellen unterschiedliche Fragen und können sich weder gegenseitig widerlegen noch bestätigen.“ Andererseits stellen Sie mir die Frage, ob die Bibel mit der Evolutionstheorie vereinbar ist. Eine Diskussion erscheint mir daher nicht fruchtbar.
      Es ist mit der Bibel ähnlich wie mit den zwei Naturen Jesu Christi: Er war ganz Gott und ganz Mensch, „unvermengt und ungetrennt“ wie das Konzil von Chalcedon formuliert hat. Daher nehme ich die menschlichen Handschriften in der Bibel sehr wohl wahr, bin aber vor allem daran interessiert, ihr göttliches Wesen wirken zu lassen.
      Pastor Albrecht Weißbach

    2. Wie schön verpackt kann man eigentlich noch fundamentalistisches Gedankengut beschreiben ohne es konkret zu benennen? Was macht das für einen tieferen Sinn diese absolut unkonkrete Umschreibung?

  2. Dr. Sieghard Dienlin

    Sehr geehrter Herr Weißbach,
    es tut mir leid, ich hatte nur gehört, dass Sie Ihr pastorales Amt verlassen hatten. Jetzt weiß ich, dass Sie Ehrenhaft lokalisierter Pastor sind.

    Vielen Dank, dass Sie sich zu meinen Fragen geäußert haben.

    „Verstehen Sie die Bibel wörtlich? “ und „Ist die Bibel widerspruchsfrei?“ beantworten Sie mit „Es ist mit der Bibel ähnlich wie mit den zwei Naturen Jesu Christi: Er war ganz Gott und ganz Mensch, …“.
    Leider verstehe ich nicht, was ich dieser Formulierung entnehmen soll und ich bin nicht der Einzige.

    Ich verstehe nicht, warum Sie sich über die Frage „Ist die Bibel vereinbar mit der Evolutionstheorie? “ wundern.
    Gestern beantwortete mir ein Mitglied des Gemeinschaftsbundes diese Frage mit einem klaren „NEIN“.
    Sie beantworten sie – so wie ich – mit „JA“.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie sich den ersten beiden Fragen nochmals zuwenden würden.
    Im Voraus vielen Dank dafür

  3. Albrecht Weißbach

    Sehr geehrter Herr Dr. Dienlin,
    gut, ich versuche nochmal einen Anlauf. Ich hatte mich eigentlich zu keiner Ihrer drei Fragen geäußert. Der Grund liegt in Ihrer Eingangsthese, dass „Mathematik und Glaube an Gott völlig distinkte – also abgegrenzte, unterschiedliche – Gebiete“ seien. Leider denken wohl viele Theologen heute so. Sie ähneln damit den Deisten zur Zeit Wesleys, die ebenfalls der Auffassung waren, dass Gott zwar die Welt erschaffen habe, aber in der Gegenwart keinen Einfluss mehr auf sie ausübe. Wesley aber predigte einen erfahrbaren Gott, der sehr wohl Einfluss nimmt, nicht nur auf die Seele von Menschen, sondern auch auf Geschichte und Naturereignisse. Dies ist m.E. auch die übereinstimmende Sicht aller biblischen Zeugen und eine Implikation der Aussagen im Glaubensbekenntnis. Von Johannes Kepler stammt der Satz: „In der Schöpfung greife ich Gott gleichsam mit den Händen.“ Und theologisch haben wir es hier mit der Inkarnation zu tun: Gott wird Mensch. Und Gotteswort wurde Bibel.
    Soweit für heute. Schalom!

    1. Dr. Sieghard Dienlin

      Sehr geehrter Herr Weißbach,
      ich bin kein Deist und glaube an einen persönlichen, erfahrbaren Gott, der die Welt erschaffen hat mit dem Menschen als seinem Gegenüber (Ebenbild), der die Freiheit hat sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Für die Schöpfung gebrauchte Gott auch den Weg der Evolution. Gott nahm als Jesus Christus Menschengestalt an (wahrer Mensch und wahrer Gott) und zeigt mir den Weg zum wahren Leben (Heil) als Geschenk, das ich angenommen habe. Ich bemühe mich aus Dankbarkeit dem Vorbild Jesu Christi zu folgen.

      Kepler lebte ca. 250 Jahre vor Darwin. Keplers Satz kann ich mich anschließen. Dass Gott auch Evolution für seine Schöpfung „nutzte“, mindert mein ehrfürchtiges Staunen nicht.

      Ein Vorstandsmitglied des Gemeinschaftsbundes beantwortete mir die drei Fragen wie folgt:
      Verstehen Sie die Bibel wörtlich? NEIN
      Ist die Bibel widerspruchsfrei? NEIN
      Ist die Bibel vereinbar mit der Evolutionstheorie? JA

      Wie beantworten Sie die drei Fragen?

  4. Herbert Uhlmann

    „Gotteswort wurde Bibel“ schreibt Albrecht Weißbach. Nach dem Johannesevangelium (und nach dem Evangelium grundsätzlich) wissen wir und glauben wir auch:
    „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeboreenen Sohnes vom Vater,
    voller Gnade und Wahrheit“ (Johevgl.1,14)
    Dabei meint Herrlichkeit die erkennbare, sichtbare Manifestation der Gegenwart Gottes. Nicht als Buch, auch nicht als Bibliotthek, sondern als Person kommt sie in die Welt:
    „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (Johevgl. 1, 4+5)

  5. Martin Waitzmann

    Martin Waitzmann
    22. März 2022

    Liebe Diskutierende,
    mir scheint, dass es um die eine große Grundsatzfrage geht: Greift Gott ein oder greift er nicht ein?
    Und ergänzend eine thetische Feststellung: Wir Menschen neigen alle dazu, Gott auf seine Wirkweise festlegen zu wollen.

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