Gottes Architektur: Die Ehe aus Mann und Frau

Über die Frage, was eine Ehe ist, kann man sehr lange nachdenken. Wird sie von einem bürgerlichen Standesamt begründet? Oder vom Zeitpunkt des „Ein-Fleisch-Werdens“? Oder von einer kirchlichen Segnung vor Gottes Angesicht? – Ein kleiner Baustein, ganz vom Anfang der Bibel, zu dem jüngst ein katholischer Professor geschrieben hat, soll in diesem Beitrag gewürdigt werden. Er ist auch ein Beispiel dafür, wie wir es im GB bewusst in unserem Theologischen Grundsatz Nr. 2 formuliert haben: „Deshalb will die Bibel unter der Leitung des Heiligen Geistes in erster Linie durch sich selbst ausgelegt werden. Kirchliche Lehre, Erfahrung und Vernunft sind dabei wertvolle Hilfen des Verstehens, so lange der Vorrang der Schrift bewahrt bleibt.

Spannend: Unsere Bibel beginnt mit zwei Schöpfungsberichten! In beiden ist vom Zusammenkommen von Frau und Mann die Rede. Im ersten Bericht (1:27f) lesen wir: „Und Gott schuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie. Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie ⟨euch⟩ untertan.“ Danach wird im zweiten Bericht ergänzt (2:24): Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.“

Rein textkritisch betrachtet, kann man beide Berichte als eigenständige, parallele Texte sehen, die nichts miteinander zu tun haben, weil sie ganz offenbar von unterschiedlichen Menschen aufgeschrieben wurden. In dieser Lesart kann man ganz verschiedene Bausteine erkennen, die keine Rückschlüsse auf Gottes Plan für die Architektur von Ehe und Familien geben.

Wenn wir die Bibel in der Weise aber ernst nehmen, dass sie sich selbst auslegt, dann bleiben wir an dieser Stelle nicht stehen, sondern wir sagen: Diese beiden Texte gehören zusammen und ergänzen sich! Und dann ergibt sich ein deutliches Bild vom Zusammenkommen von Mann und Frau:

1. Gott hat uns in zwei Geschlechtern geschaffen.
2. Er hat sie als zwei Geschlechter gesegnet.
3. Frau und Mann trennen sich von den Elternhäusern.
4. Der Mann nimmt die Frau lebenslang auf wie eine nahe Verwandte 
5. Er fordert zur Fruchtbarkeit auf.
6. Diese entspringt dem „Ein-Fleisch-Werden.“

Ludger Schwienhorst Schönberger, katholischer Professor aus Wien, kommentiert dieses Schöpfungswerk so:
„Sowohl die jüdische als auch die christliche Tradition sehen in der Verbindung beider Texte die biblische Grundlage für jene Institution, die sich im Laufe der Geschichte als monogame Ehe herausgebildet hat. Für eine Segnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen in Analogie zur Ehe oder gar in Gleichsetzung mit der Ehe gibt es in der Bibel keinerlei Anhaltspunkte.“[1]


[1] Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich

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