Rogate! Plädoyer für ein Gebetsleben, das unser Leben weiter bringen kann!

Rogate! Plädoyer für ein Gebetsleben, das unser Leben weiter bringen kann!

Past. i. R. Dr. Daniele Baglio – Barmen. Es gilt das gesprochene Wort

Wir „wuppen“ das? Was soll das bedeuten? Was das bedeutet kann nicht jeder verstehen! Im Gegenteil – das können fast nur Bürgerinnen und Bürger aus Wuppertal verstehen. Gemeint ist: „Wir schaffen das! Wir können das stemmen!“ Und doch haben auch wir im Tal unsere Schaffens-Grenzen! Ein Beispiel: Die Schwebebahn steht schon über ein Jahr so gut wie still … Maßen wir uns etwas an, das wir nie erreichen können? Hochmut kommt vor dem Fall!

Und doch können Christen in aller Demut mit Gottes Hilfe oft Dinge erreichen, die Unerreichbar erscheinen.

Das Wort Gottes liefert uns viele Beispiele davon:
In Josua, Kapitel 3, lesen wir zum Beispiel, dass das Volk Israel mit der Bundeslade am Ufer des Jordan lagerte. Vierzig Jahre vorher waren sie durch Gottes machtvolle Hand aus Ägypten geflohen. Mehr als eine Gene­ration lang wanderten sie in der Wüste umher und Gott begeg­nete all ihren Nöten auf wunderbare Weise. Nun standen sie vor dem verheißenen Land Kanaan — doch sie hatten ein großes Problem: Ein Fluss kreuzte ihren Weg! Und es gab keine Möglichkeit, den Fluss zu umgehen!
Der Jordan ist wohl ein kleiner Fluss, der allerdings auf einer Luftlinie von zweihundert Kilometern ein Gefälle von 915 Metern aufweist. Nicht für ungefähr bedeutet sein Name dann „der Herabsteigende“, wo es immer wieder zu Wasserstürzen gekommen ist.
Hochwasser, Strömungen und Untiefen bedrohten das Volk beim Durchzug!
Wie oft standen meine Frau und ich in den 35 Jahren gemeinsamen Lebens vor Hindernissen, die uns nicht zu bewältigen erschienen, unsere Berge, Flüsse und weitere Aufgaben, vor denen wir uns ganz klein und schwach vorgekommen sind. Schon der Beginn unserer Beziehung war ein solcher Kraftakt!
Alles hinschmeißen – oder im Vertrauen auf Gott das Ding anpacken? Mit den eigenen Kräften allein rechnen – oder auf Gottes Verheißungen?

Samuel brachte uns das „Mauern-Springen“ und das „Wälle-Erstürmen mit Gottes Hilfe bei (2. Samuel 22, 30) – und dann konnte es losgehen. Wir haben es gewagt: »Jetzt wird auf Gott geschaut und nicht auf uns!«
Meine Devise war – und ist: „Lass mir das Ziel vor Augen bleiben, zu dem du mich berufen hast. Lass nicht aus deiner Spur mich treiben des Weges Länge oder Last. Bin ich versucht, auf mich zu schauen und nicht mehr auf das Ziel zu sehn, hilf mir, aufs Neue im Vertrauen auf deinen Sieg voran zu gehen.“ (Helga Winkel, 1984)

Aber die Prüfungen wurden immer mehr … auch unser Jordan war schier unpassierbar: Hochwasser, Strömungen, Untiefen. Verzweiflung hat uns nie gepackt, denn Gott ist immer noch größer! Egal, wo wir hingekommen sind, wir haben stets die Erfahrung gemacht, dass ER schon da war! Das ER uns in vorbereitete Verhältnisse geschickt hat. Er hat geholfen!

Nur, mal herausfinden, wie ER einem helfen kann!

Nehmen wir die Geschichte Josuas:
Für Gott wäre es ein Leichtes gewesen, den Wasserspiegel direkt vor den Augen der Israeliten zu senken. Oder er hätte sogar aus dem Nichts eine breite Brücke über den Fluss entstehen lassen. Aber er tat es nicht! Keine Senkung des Wasserspiegels und keine Brücke.
Wie oft haben Menschen gebetet: „Senk mir bitte den Cholesterinspiegel“ – und es ist nichts passiert. Andere beten etwa: „Herr, ich brauche nur eine Eins! Oder vielleicht sechs Richtige im Lotto, oder eine nette Frau kennen zu lernen …“ All das, was ein Mensch von Gott realistischer Weise erwarten könnte, tut er anscheinend nicht!

Warum? Weil bei ihm ganz andere Maßstäbe gelten!

Haben wir nicht zwei Jahre lang auf Geheiß unserer Kirchenleitung lange Gebetsanliegen heruntergeleiert? Wenn ich mir noch einmal die Dokumente der sogenannten „Gebetskette für die Generalkonferenz“ zu Gemüte führe, staune ich wie klitzeklein wir Gott unseren Willen zugemutet haben. „Lieber Gott, in dieser aktuellen Frage – gib uns ein Zeichen!“?

Und was hat sich getan?
Oder besser – was haben wir mit SEINER (meines Erachtens klare Antwort) Antwort angezettelt? Oder war insgeheim unser Gebet nicht etwa: „Lieber Gott, bitte, segne das, was wir meinen!“?

Zurück zu Josua: Dem Volk Israel sollte am Jordan durch einige merk-würdige Anweisungen geholfen werden. Sie standen vor dem Fluss, der aus dem Ufer getretenen war.
Schauen wir uns einmal genau, welche Anweisungen Gott dem Volk in der Wüste gibt (Josua 3, 1-8+13)

1 Und Josua machte sich früh auf, und sie zogen aus Schittim und kamen an den Jordan, er und alle Israeliten, und blieben dort über Nacht, ehe sie hinüberzogen. 2 Nach drei Tagen aber gingen die Amtleute durchs Lager 3 und geboten dem Volk: Wenn ihr die Lade des Bundes des HERRN, eures Gottes, seht und wie die levitischen Priester sie tragen, so brecht auf von eurem Ort und folgt ihr nach; 4 doch dass zwischen euch und ihr ein Abstand sei von ungefähr zweitausend Ellen! Ihr sollt ihr nicht zu nahe kommen. So werdet ihr sehen, auf welchem Wege ihr gehen sollt; denn ihr seid den Weg bisher noch nicht gegangen.

5 Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der HERR Wunder unter euch tun. 6 Und Josua sprach zu den Priestern: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her. 7 Und der HERR sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein. 8 Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen.

13 Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die die Lade des HERRN, des Herrn der ganzen Erde, tragen, in dem Wasser des Jordans stillstehen, so wird das Wasser des Jordans, das von oben herabfließt, nicht weiterlaufen, sondern stehen bleiben wie ein einziger Wall.“

Liebe Gemeinde, die in unserem Predigttext enthaltenen Anweisungen haben mich immer wieder fasziniert. Ich habe mich gefragt, ob nicht ausgerechnet diese drei der „Schlüssel“ sind, einen Glauben zu entwickeln, der „Berge versetzen kann“:

Ÿ das Ziel nicht aus den Augen lassen;

Ÿ erwarten, dass erstaunliche Dinge geschehen werden;

Ÿ und im Vertrauen auf Gott den ersten Schritt wagen!

Josuas Geschichte am Jordan zeigt uns, dass Gott anscheinend seine Wunder nicht ohne uns tun will!
Das erfordert aber Gehorsam – und ganz viel Mut unsererseits!
Manchmal wird uns das Wasser bis zum Hals reichen, denn Gott liefert uns – außer in SEINEM Wort – keinen weiteren Beweis, dass das, worum wir beten, wirklich geschehen wird.
Auch die Priester damals haben keine überwältigende Klarheit bekommen, dass sich das Wasser teilen wür­de!Eigentlich hat Gott nach menschlichem Ermessen gar nichts unternommen, bis sie ihre Füße ins Wasser gesetzt und den ersten Schritt getan haben! Erst dann hat er den Fluss zum Stehen gebracht!

Wir hätten lieber, dass der Fluss stoppt, bevor wir hineintreten.
Wir hätten lieber, dass Gott bedrohliche Situationen vorher klärt, sodass wir uns nicht mehr die Füße nass machen müssen. Aber meistens erleben wir es genauso wie die Priester damals. Wir haben zuerst einen Glaubensschritt zu machen, wir bekommen keine Garantien im Vorhinein.

Als wir vor fast zwanzig Jahren unser Haus in Barmen gekauft haben, wussten wir selbstverständlich nicht, ob ich nicht durch Versetzung irgendwo anders in Norddeutschland als Pastor dienen würde. Aber ich bekam die Gewissheit, dass Gott uns dieses Haus – das damals stark heruntergekommen war – deutlich gezeigt hatte. Wir kauften das Haus im Vertrauen, und wir haben erlebt, dass Gott unser Jordan gestoppt hat!

So gibt es immer wieder Zeiten, an denen unser Gottvertrauen herausgefordert ist. Ein solches Vertrauen kann niemand aus sich selbst schöpfen, sondern nur aus dem Gott, der die Quelle des Lebens ist;

Wer sich diesem Gott aber anvertraut, findet die Kraft und Zuversicht, um über die nächsten Schwellen zu gehen, die das Leben bereithält!

So kann auch unser Gebet die Kraft bekommen, Berge zu versetzen,
Ÿ wenn wir im Glauben das Ziel vor Augen behalten,
Ÿ wundersame Dinge von unserem HERRN erwarten
Ÿ und uns auf dem Weg machen.

Indem wir so mit IHM gehen, wird unser Glau­be größer – und unser Vertrauen wird wachsen! Ihr Lieben, als Christen haben wir in Jesus Christus ein einmaliges Beispiel der Macht des Gebets – und ER hat sie uns übertragen. Er will uns heilen und uns zum Segen machen!

„Wer Jesus am Kreuze im Glauben erblickt, wird heil zu derselben Stund. Drum blick auf ihn, den der Vater geschickt, der einst auch für dich ward verwund’t!“ (A.M. Hull)

1. Schaue auf das Kreuz (das Zeichen der Macht Gottes)!

2. Erwarte, dass dein HERR Großes wirken kann in Deinem Leben.

3. Und lege im Vertrauen los.

Warum sind wir oft so niedergeschlagen? Warum hört man unter uns mehr Worte der Unzufriedenheit und der Ungeduld als Lob- und Dankgesänge?
Wahrscheinlich weil wir festgefahren am Ufer eines Flusses stehen, der uns unpassierbar erscheint. Es mag ein körperliches Leiden sein, eine unerträgliche Ehe- oder Arbeitssituation, eine große Enttäuschung, die die Macht hat, unser Gebetsleben zu blockieren.

Was ist dein persönlicher Jordan, der dich im Leben nicht weiter kommen lässt?
Spürst du etwa, dass Gebete nicht mehr helfen?
Wenn dem so ist, möchte ich dich heute herausfordern, beim Beten deinen Blickwinkel zu verändern.

Verschwende nicht viel Zeit damit, Gott deine Lage zu beschreiben. Er kennt sie ohnehin schon!
Richte deine Aufmerksamkeit auf den, der die Macht hat, dein Leben zu verändern — auf seine Herrlichkeit, Kraft und Treue. Das wird am Anfang vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, mit der Zeit klappt es aber immer besser.
Fange dann an, im Glauben loszugehen und GOTTES Führung zu folgen … und schaue zu, wie es weiter geht!

Glaubendes Gebet kann vieles in Bewegung bringen!

Jesus Christus spricht: »Amen, das sage ich euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer!, wird es geschehen. Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt« (Mt 21,21-22).

Amen

1 Kommentar zu „Rogate! Plädoyer für ein Gebetsleben, das unser Leben weiter bringen kann!“

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